Mein Besuch bei der Landeschau Baden-Württemberg

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Vielen lieben Dank an die Landesschau Baden-Württemberg für die Einladung in eure Sendung und die herzliche Rundum-Betreuung vor und während meines Besuches beim SWR. Ein unheimlich spannendes Erlebnis und im Vorfeld tatsächlich ganz schön aufregend für mich. Einmal live im Fernsehen hätte ich damit auch abgehakt, hätte das vor zwei Wochen jemand zu mir gesagt, hätte ich ihn für verrückt erklärt. So schnell kann es gehen. Die paar Minuten der Sendung bzw. des Gastauftrittes rauschen in gefühlten wenigen Sekunden an einem vorbei. An kein einziges gesprochenes Wort, das anscheinend aus mir raus gesprudelt ist, konnte ich mich im Anschluss erinnern. Da kommt man irgendwie so gar nicht zu dem was man eigentlich gern erzählt hätte. Wenn es nach mir geht, am liebsten weniger über mich, mehr zu Wheeliewanderlust versteht sich.
Wegen meiner Krankheit (Spinaler Muskelatrophie, nicht Muskeldystrophie) und alldem was dazu gehört, möchte ich nicht bewundert werden, dafür hab ich rein gar nichts getan. Die hab ich halt 😉 Meine Einstellung zum Leben, den Lebensmut und den Durst nach neuen Erlebnissen teile ich gern. Lebensfreude ist ansteckend und davon habe ich tatsächlich mehr als genug. Wir haben nur das eine Leben und es liegt an jedem selbst, daraus ein Glückliches zu machen. „Der Sinn des Lebens besteht darin, glücklich zu sein“, und wenn der Dalai Lama das schon zu sagen pflegte, dann muss da was dran sein. Ist manchmal sicher leichter gesagt, als getan, das ist mir mehr als bewusst. In meinem Fall tragen all meine bezaubernden Freunde & meine total verrückte aber herzallerliebste Familie einen großen Teil dazu bei. Herzlichen Dank, dass ihr aus stinknormalen Tagen ganz besondere für mich macht, ohne euch würde sicher das ein oder andere Vorhaben scheitern 😉
Zufrieden zu sein mit dem was man hat und nicht zu sehr danach schauen was andere haben oder machen, kann ich nur empfehlen. Das Offensichtliche ist nicht immer auch das Wahre. Selbst wenn es manchmal nur ein schwacher Trost ist, es könnte immer schlimmer sein, das sollte man nie vergessen. Das hilft mir seit meiner Kindheit, auch in jenen Momenten, in denen ich vermeintlich wieder das Pech mit vollen Löffeln gegessen habe. Jeder von uns hat sicherlich sein Päckchen zu tragen, vermutlich sind sie unterschiedlich schwer und sie werden auch dann ausgeliefert, wenn man sie nicht bestellt hat – man muss dann eben trotzdem das für sich Richtige draus machen. Ein Rollstuhl oder ähnliches spielt da wirklich nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn das bedeutet einige mehr Hürden überwinden zu müssen und zwar die tatsächlichen und die, die bei manchen Menschen im Hirn rumspuken. Vielleicht macht einen das auch irgendwie stärker.

„Du kannst dir die Situationen in deinem Leben nicht schnitzen, aber du kannst dir die Einstellung schnitzen, die zu den Situationen passt.“

Mut und Selbstbewusstsein haben früher sicher nicht zu meinen Stärken gezählt, das muss ich ganz klar sagen, ich bin anscheinend an meinen Herausforderungen gewachsen. Total bescheuert, wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke und mich für meine Krankheit und die Tatsache, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein, geschämt habe.
Würde man heute vermutlich nicht von mir denken, ist aber so. Von mir und Lutzi gab es Jahrzehnte keine gemeinsamen Bilder, gepostet hätte ich sie schon dreimal nicht. Total dämlich, wie könnte man auch mit etwas glücklich sein, das man verstecken möchte? Meines Erachtens gar nicht. Es hat also etwas gedauert bis ich mir ans Herz gefasst habe und mit Wheeliewanderlust.de online gegangen bin. An dieser Stelle herzlichen Dank an meinen Freund Nikolai, ohne dessen technischen Support vermutlich nie was daraus geworden wäre.
Es macht mir mittlerweile einen riesen Spaß meine Erfahrungen und Erlebnisse zu teilen und freut mich irre zu hören, wenn es dem Einen oder Anderen als Ansporn oder Planungshilfe dient. Genauso erfreut es mein kleines Herz, wenn mich Nachrichten aus Urlauben erreichen und man sich für einen Tipp bedankt. Gerade weil das Projekt immer noch neu für mich ist und meine Reichweite überschaubar. Durch mein neues “Online-Hobby”, so kann man das glaube ich betiteln, durfte ich auch schon einige Gleichgesinnte kennenlernen, habe viel Neues erfahren und jede Menge Inspiration mitgenommen. Andere wiederum befassen sich dadurch mehr mit dem Thema barrierefreies Leben und bekommen einen anderen Blickwinkel für Situationen und Geschehnissen, die für sie selbst immer als selbstverständlich galten. Das bestätigt mich und meine Einstellung und zeigt mir auf ein Neues, wie schön das Leben sein kann und wie wertvoll unsere Mitmenschen sind. Ein bisschen weniger Jammern (über das Wetter, Stau und anderen unnötigen Nippes :)), mehr Achtsamkeit (Danke an die Menschen, deren Namen ich nicht kenne, die mir oft den Alltag versüßen, in dem sie mir ungefragt etwas aus dem oberen Supermarktregal geben, mich in die S-Bahn wuppen oder mir etwas vom Boden aufheben, wenn ich Schussel es mal wieder hab fallen lassen…DANKE für das und so viel mehr!) seinen Mitmenschen gegenüber hat noch niemanden geschadet. Solange wir nicht in einer Gesellschaft leben, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbst bestimmt am Leben teilhaben kann – ganz unabhängig von einer Behinderung – gibt es noch einiges zu tun. Kommt mit auf die Reise, die sich Leben nennt und versucht euren Mitmenschen jeden Tag mit Respekt, Toleranz und Akzeptanz gegenüber zu treten, damit unsere Welt ein kleines bisschen besser wird. Ich wünsche jedem, ein so zufriedenes und glückliches Leben, wie er sich das wünscht!

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Kim LumeliusTama Recent comment authors
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WOW. Hut ab. Klar hast du dafür jetzt nichts getan, aber es sagt immer viel über einen Menschen aus, wie er mit schlechten Lebenslagen oder Schicksalsschlägen umgeht.
Liebe Grüße,
Tama <3