Die Insel der Götter, Bali!

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Nach unserem 3-Tages-Stopover in Singapur sind wir auf der tropischen Insel BALI gelandet – die bekannteste und am besten erschlossenste Insel Indonesiens. Hier wohnen auf den Bergen die Götter, im Meer die Dämonen und dazwischen die Balinesen, die versuchen ihre Traditionen zu bewahren. Wie Millionen andere Touristen auch, wollte ich einfach mal den Spirit der Insel der Götter live erleben.
Bali ist nicht nur Sonne, Surfen und bunte Sonnenschirmchen. Man kann hier jede Menge Entdeckungsfahrten in die alte Kultur unternehmen und die Weltreligion Hinduismus besser kennen lernen. Während unserer Reise hab ich mich gefragt, worin eigentlich der Unterschied zwischen Buddhismus und Hinduismus besteht und mich erkundigt. Ich hoffe es stimmt auch was ich jetzt sage 😉 Beide Religionen haben ihren Ursprung in Indien und Karma spielt für sie eine ganz wichtige Rolle. Es besagt, dass jede geistige und physische Handlung unweigerlich auch eine Folge hat. Nach dem Motto “Wer Gutes tut, wird Gutes ernten”. Einen großen Unterschied zwischen den Religionen spielen die Götter. Im Hinduismus ist die menschliche Existenz in eine sehr große Zahl von Göttern eingebettet, während der Buddhismus keine Götter kennt. Noch einen Unterschied bilden die sogenannten Kastensysteme, in die wir nach dem Hinduismus hineingeboren werden. Egal wie gut oder böse man lebt, man bleibt in seiner Kaste. Der Buddhist glaubt daran nicht, nach dessen Lehre kann jeder alles werden oder sein. Buddha ist für viele Menschen ein hilfreiches spirituelles Vorbild. Er verkörpert den Weg der Ruhe und der Meditation. Der Hinduismus steht für lebensfrohe Feste, viele Götter und vor allem für Entspannungs- und Gesundheitstechnik. In vielen Punkten stimmen die beiden Religionen überein, ihr Zentrum ist die Erleuchtung, nur geht jede Religion für sich in unterschiedliche Richtungen.
Es gibt unzählige kleine und große Tempel und in fast jedem Haus oder Hof findet man Miniatur-Schreine. Auf Bali gibt es endlose Reisterrassen, immerfeuchte Regenwälder, Sandstrände voller Palmen, meterhohe Wellen und mächtige Vulkanlandschaften. Anders als in Reiseführern üblich, untergliedert man Bali nicht in Himmelsrichtungen. Politisch gesehen ist die Insel in acht Regierungsbezirke und ihre Hauptstadt Denpasar gegliedert. Jede Provinz hat ihre Besonderheiten, darum konnten und wollten wir uns nicht für eine Unterkunft entscheiden und sind innerhalb der Insel etwas rumgereist. Die groben Stationen waren Legian/SeminyakUbudBingin BeachGili Trawangan (Nachbarinsel).
Von A nach B sind wir meistens mit einem Großraumtaxi bzw. mit privaten Fahrern gefahren. Man kann mit Taxiunternehmen oder Fahrern auch (Halb-/)Tagespauschalen aushandeln, um nicht nur die Unterkunft zu wechseln, sondern gleich ein paar Sehenswürdigkeiten mit anzufahren. Wer mit einem Rollstuhl reist und sich Zusammenklappen und Umsetzen sparen möchte, reist am bequemsten mit Bali Access Travel. Das Unternehmen hat sich auf barrierefreien Transport auf der Insel spezialisiert. Die kleinen Busse verfügen über Hydraulic-Lifte, mit denen Rollstühle problemlos in einem Stück eingeladen werden können. Eine Anmeldung im Vorfeld würde ich empfehlen.
Unsere wichtigsten und schönsten Stationen:
Legian – The Akmani Legian
Bei unserer Ankunft in Bali waren wir zunächst nicht sonderlich begeistert. Seminyak und Legian sind total touristisch und haben uns, trotz vieler bunter Sonnenschirmchen, von der Insel am wenigsten gefallen. Unsere erste Unterkunft hingegen war sehr schön und barrierefrei. Das Akmani liegt zwar mitten im lebhaften Legian, ist aber nur 6 Gehminuten vom Strand entfernt und bietet mit den Pools im Innenhof und auf der Dachterasse zwei wunderschöne Ruheoasen. Mit einem Aufzug kann man fast alle Bereiche und Zimmer problemlos und ebenerdig erreichen. Das Frühstücksbuffet wird auf einer der oberen Terrassen serviert, direkt neben dem kleinen Spa, das ich sehr empfehlen kann. Nur zum Pool auf der Dachterasse ist es ein kleiner Absatz mit drei Stufen. Das Servicepersonal war hier aber sehr hilfsbereit und stets freundlich.

La Plancha Seminyak

 

Tanah Lot
Der Hindutempel Pura Tanah Lot liegt an der Südwestküste Balis. Er wird auch der Meerestempel genannt, wörtlich übersetzt bedeutet Tanah Lot “Land inmitten des Meeres”. Pura wird übrigens jedem balinesischen Tempel zugefügt. Der Tempel liegt auf einer Felsspitze im Meer, sehr nah am Ufer. Nur bei Ebbe kann man ihn zu Fuß erreichen. Der Boden, bestehend aus feinem schwarzem Sand und ein paar ziemlich glatten Steinen, ist weich und schlammig, für oder mit dem Rollstuhl sehr schwierig bis unmöglich. Der Tempel samt Innenhof darf nur von Gläubigen betreten werden. In einer kleinen Höhle am Fuße des Tempelfelsens befindet sich eine Süßwasserquelle, die direkt dem Meer entspringt. Wer möchte, kann gegen eine kleine Gabe von dem heiligen Wasser trinken oder aber sich damit das Gesicht waschen. Gegenüber der Quelle befindet sich unter den Klippen eine weitere Höhle, die Ular Suci. Hier leben heilige Schlangen, die von Priestern betreut werden. Die angeblich giftigen Schlangen kann man sich gegen kleines Entgelt auch zeigen lassen. Obwohl sie anscheinend noch nie jemand gebissen haben sollen, konnte ich darauf gut und gerne verzichten 😉 

 

Ubud – The Kayon Resort
In der grünen Oase mitten von weiten Reisfeldern haben wir uns am wohlsten gefühlt, was zum großen Teil an einem der schönsten Hotels lag, in dem wir je zu Gast sein durften. Mitten im tropischen Regenwald wurde das Kayon Resort auf oder an einen Hügel gebaut. Umgeben vom heiligen Petanu Fluss, der an den Zimmern entlang fließt und der herrlichen grünen Pflanzenpracht, herrscht eine ziemlich entspannte & ruhige Atmosphäre. Die Zimmer sind wunderschön eingerichtet, sehr geräumig und bieten einen tollen Blick auf den Dschungel. Die Bäder verfügen über ebenerdige Duschen und Badewannen. Aufgrund der Hanglage befindet sich dieses Resort allerdings auf verschiedenen Ebenen und ist deshalb nur bedingt für Rollstuhlfahrer geeignet. Der Eingang, die Rezeption und das Restaurant befinden sich auf Straßenebene, zu dem Infinity-Pool und den Zimmern muss man einige Stufen nach unten. Wenn “Huckepack” oder Treppen hoch- und runterklettern nicht in Frage kommen, ist das Hotel leider nichts. Ich musste es aber unbedingt mit aufnehmen, für alle, die damit keine Probleme haben – diesen paradiesischen Ort kann ich euch nur ans Herz legen. Die Mitarbeiter sind sehr zuvorkommend und das Essen aus dem KE-PI-TU Restaurant ist ausgezeichnet. Hier wird Fusionsküche in einem sehr noblen balinesischem Ambiente serviert. Rundum ein traumhaft schöner Aufenthalt in diesem Resort. Es ist übrigens 10 Minuten vom Zentrum Ubuds entfernt und bietet mehrmals täglich kostenfreie Shuttlebusse.
Monkey Forest Ubud
Der Affenwald ist ein kleiner Naturpark mit über 100 verschiedenen Baumarten, jeder Menge schöner Skulpturen und einem Hindutempel. Der Park ist von den Javaneraffen bevölkert, die nur auf die Touristen warten, die sie füttern. Sobald sie eure Obstvorräte entdeckt haben, sind sie kaum zu bremsen. Aber Achtung: es kommen nicht nur die kleinen Süßen angerannt. Da flitzen auch sehr große und grimmige Affen durch die Gegend, die alles stehlen, was nicht niet- und nagelfest ist.
Tegalalang Reisterassen
Es gibt wohl kaum ein bekannteres Fotomotiv als die Reisterrassen von Bali. Vor allem im Hinterland von Ubud gibt es unzählige grün leuchtende Felder zu finden. Himmelstreppen zu den Göttern werden sie gerne von den Balinesen genannt. Aufgrund der Hanglage ist eine Mechanisierung meist schwierig. Die Bepflanzung und Bewirtschaftung wird nach wie vor mit den Methoden aus der Jungsteinzeit und dem Einsatz von Wasserbüffeln bewerkstelligt.
Pura Ulun Danu Pratan
Für mich einer der schönsten Tempel auf Bali. Der bedeutende Wassertempel liegt direkt auf dem Bratan See, dessen Wasser als heilig gilt. Er wurde der Göttin Shiva als Schöpferin geweiht. Im Inneren des Tempels kann man aber auch Buddha-Statuen finden. Es besteht völlige Harmonie zwischen den Religionen Hinduismus und Buddhismus. Auf der ganzen Anlage herrscht sowieso eine richtig magische Atmosphäre, besonders in den Morgenstunden, wenn die Nebelschleier vorüberziehen. Die Wege der Tempelanlage sind gepflastert und man kann gut mit Rollstuhl entlang rollen.
GitGit Wasserfall
Unser aller Lieblingsausflug^^ Ich habe es angezettelt, musste unbedingt mal einen Wasserfall in echt sehen. Zu diesem Zeitpunkt mein erster, ich war dementsprechend gespannt und hab mich furchtbar gefreut. Unser Reiseführer hat einen gemütlichen halbstündigen asphaltierten Spazierweg versprochen, vorbei an Nelkenbäumen und Kaffestauden. Unser Fahrer hat uns am Parkplatz abgesetzt, den Weg dorthin findet man wirklich allein – man braucht definitiv keinen Guide, man kann sich gar nicht verlaufen. Bis dahin lief es ziemlich glatt. Apropos glatt, unterwegs kann es an manchen Stellen ziemlich rutschig werden, festes Schuhwerk empfehle ich und am besten auch einen Rollstuhl der über Treppen fliegen kann. Im Vorfeld wollte uns wirklich kein Mensch darüber informieren, dass man auf dem Weg zum Wasserfall ein dutzend Stufen überwinden muss. Als wir die ersten Stufen gesehen haben, mussten wir alle noch lachen – umkehren war für uns irgendwie keine Option. Wir waren zum Glück zu viert unterwegs, sodass meine lieben Freunde Mü & Thomas Lutzi tragen konnten, und Lorenz mich huckepack. Einen großen Teil der Strecke konnte ich tatsächlich auch fahrend mit Lutzi zurücklegen, zwischendurch galt es aber immer wieder Stufen und Absätze hoch zu kraxeln. Einige Verkaufsstände für Getränke und Souvenirs liegen auf dem Weg, wer ein Päuschen braucht, muss hier nicht verdursten.
Schweiß gebadet kamen wir mitten im Dschungel an und direkt vor dir fällt aus 35 Meter das Wasser in ein kleines Becken, worin man auch baden kann. Der Wasserfall wirkt schon ziemlich imposant, daneben sieht man echt winzig aus. Balinesen glauben im Übrigen daran, dass die Liebe oder Ehe ein schnelles Ende nimmt, wenn man als Paar gemeinsam in das Wasser steigt. Wer auf Nummer sicher gehen will, geht also nacheinander baden 😉 Nach unserer kleinen Pilgertour musste ich natürlich wieder für kleine Prinzessinnen. Zu meiner Überraschung gab es ein Toilettenhäuschen am Wasserfall, in das man aber nur über Steine kommt, die im Wasser liegen. Lorenz war sich sicher, dass wir das dann auch noch schaffen. Leider war der vorletzte Stein lose und Lorenz ist mit mir zusammen schön abgeschmiert. Dabei hat er sich leider ein blutiges Knie geholt – zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Wir sind auch nicht ins Wasser gefallen, sondern tatsächlich auf dem letzten Stein gelandet. Wer weiß, was sonst aus uns geworden wäre 😉 Meinen Reisebegleitern bin ich zu tiefem Dank verpflichtet, bis ans Ziel haben sie mich geschleift. Mein weißes Kleid (ja ziemlich dämlich auf so einem Ausflug) und ich sind unversehrt geblieben und die GitGit Wasserfälle werde ich so schnell nicht mehr vergessen.

Kembang Kuning Bungalows
Kembang Kuning ist eine einfache Unterkunft mit Wahnsinnsblick auf das Meer. Die Bungalows sind ziemlich spartanisch eingerichtet und das Bad ist eine kleine Nasszelle, aber alles ebenerdig. Die Unterkunft befindet sich ganz im Süden von Bali oberhalb des Bingin Beach. Es zieht vor allem Surfer und Abenteuer-Urlauber hierher. Ich würde mich weder als das Eine noch das Andere bezeichnen. Dennoch wollte ich gerne ganz in den Süden, um den shabby-chic vibe live zu erleben und vor allem um nachts beim Schlafen die Wellen zuhören, wenn sie gegen die Klippen schlagen. Wir wurden nicht enttäuscht, es herrscht eine richtig chillige Atmosphäre. Es gibt jede Menge familiär geführte Warungs, worunter man Imbisse oder kleine Restaurants versteht, die nur darauf warten, dass die Fischer mit dem “catch of the day” vom Meer zurückkommen. Was wir nicht auf dem Schirm hatten, waren die Treppen bzw. Felsformationen, die zum Strand hinunter führen. Freeclimber würden hier voll auf ihre Kosten kommen. Am besten hat man einen Kletterschein, um hier auf und ab zu tigern. Wir hatten ursprünglich über Airbnb ein Haus am Strand gemietet, in das wir mich aber noch nicht mal Huckepack reinbekommen hätten. Puh war ich enttäuscht. Nicht über die Alternativ-Unterkunft, die sich ja als ziemlich phänomenal rausgestellt hat. Nein einfach, weil ich A) so doof bin, ein Haus zu buchen, in das ich dann nicht reinkomme und B) mit der Tatsache konfrontiert werde, dass es einfach Hürden für mich gibt, die ich so sehr ich es möchte, einfach unmöglich überwinden kann. Da konnte mich zunächst nicht mal der Infinitypool unserer Bungalow Anlage wieder gut gelaunt stimmen. Das Nasi Goreng am nächsten Morgen zum Frühstück hat mich wieder munter gemacht. Ist ja auch Banane, in so einem kleinen Paradies unterzukommen und sich dann nicht darüber freuen zu können. Man könnte es auch einfacher haben, und sich direkt in große Hotelketten einmieten, die dir sicher mehr Barrierefreiheit bieten. Aber mein kleines Abenteuerherz spürt ab und an lieber mal die alternativen Unterkünfte auf, in denen es landestypische Gerichte (und kein “American breakfast”) gibt, authentische Locals und einfach mehr Spirit herrscht. Ich versuche auf unseren Reisen immer einen guten Mix aus Beidem zu haben. Barrierefrei sollte es weitestgehend sein, auf All-Inclusive-200-Zimmer-Häuser versuchen wir zu verzichten ;).
Cashew Tree
Kleines spartanisches Outdoor-Restaurant mit familiärem Ambiente. Serviert werden hausgemachte marktfrische Gerichte, wie bunte Gemüse-Bowls, Smoothies oder indonesisches Chicken-Satay. Abends wird oft Live-Musik gespielt, es wird getanzt und im ganzen Garten verteilt, sitzt man in chilliger Atmosphäre auf dem Rasen. Passt einfach perfekt in die Region Bingin Beach.
El Kabron- Spanisches Restaurant & Cliff Club
Die Bar wurde oberhalb der Klippen Uluwatus gebaut. Von hier oben hat man wirklich einen ganz exklusiven und atemberaubenden Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang. Die Preise sind etwas gehobener, die Location einfach wunderschön und die ewig vielen Sorten Gin&Tonic ausgezeichnet. Die ganze Szenerie wird mit schöner Lounge-Musik untermalt und während die Sonne den Himmel in allen möglichen Farben leuchten lässt, möchte man nur noch die Zeit anhalten.
Die Reise ist zum Glück noch nicht vorbei, unser nächster Stop ist Gili Trawangan. Auf Bali konnten wir schon unglaublich viel erleben, verrückt wie unterschiedlich und vielfältig die Insel in den einzelnen Regionen ist. Kaum zu glauben, dass sowohl die Landschaft als auch die Menschen innerhalb einer Insel so unterschiedlich sein können. Von all unseren Reisen hat uns Bali sicherlich mit den meisten Barrieren konfrontiert, uns aber genau deshalb um so viele unvergessliche Momente bereichert, dass ich keine davon missen möchte. Vielen Dank Myriam, Thomas & Lorenz – gemeinsam ist man stärker 💪💪💪💪

 

Hast du vielleicht auch schon kleine „Abenteuer“ à la GitGit erlebt? Welches Fleckchen auf Bali hat dir am besten gefallen? Ich freue mich auf dein Kommentar 🙂

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5 Kommentare auf "Die Insel der Götter, Bali!"

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[…] Bali ging es weiter Richtung Gili Trawangan – die größte von den drei Gili Inseln. Sie liegen im […]

Miriam
Gast

Also mir hat der Monkey Forest sehr gut gefallen und die Besteigung des Mt. Batur. Da ist ja momentan kein Herankommen. Ansonsten muss ich ehrlich sagen hat mich Bali ein wenig enttäuscht. Gili Meno war dafür sehr entspannend.
Lg Miriam

Myriam
Gast

So toll geschrieben mein ❤️! Bali war und ist bis heute für mich die aufregendste, schönste, verrückteste und abenteuerlichste Reise gewesen! Ich bin sicher, dass der Artikel nur durchs Lesen bei Vielen die Reiselust weckt! 🏝🌋🌊 Mit Euch immer wieder ans Ende der Welt (und vom Wasserfall) xx, Mü