“Hoch hinaus” in Fiesch!

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Und das gleich mehrmals. Die Gemeinde Fiesch liegt ebenfalls im Kanton Wallis, direkt an den Ufern des Weißwassers, das aus dem Fiescher Gletscher entspringt. Im Fieschertal oder auf dem Eggishorn ist man immer in Bewegung – das Sportangebot ist riesig. Ich hatte es schon angekündigt, dass auch ich mich zu dem ein oder anderen sportlichen Erlebnis hab hinreißen lassen, nicht zuletzt weil man als Rollstuhlfahrer nicht überall in den Genuss kommen darf, auch tatsächlich alles mitmachen zu können.

 

Sport Resort Fiesch

Nach unserer idyllischen Auszeit auf der Bettmeralp haben wir einige Höhenmeter hinter uns gelassen und im Sport Resort Fiesch eingecheckt. Mitten in den Walliser Alpen könnt ihr zwischen rustikalem Holzchalet, Gästehaus oder moderner Jugendherberge wählen.

Jugendherberge? Ja, ihr habt richtig gehört.

Das ist nicht zwingend nur was für Schulklassen, sondern auch für Junggebliebene, die für ein kleineres Budget eine tolle Unterkunft möchten. Im barrierefreien Gruppenhaus “Rotten” stehen einige rollstuhlgängige Zwei- und Mehrbettzimmer zur Verfügung. Unser rollstuhlgerechtes Doppelzimmer war sehr geräumig und sauber, das Bad mit barrierefreier Dusche und ausreichend Haltegriffen ausgestattet. Wirklich klasse, das Zimmer war zwar recht spartanisch eingerichtet, hat aber alles was man braucht (außer einen Föhn, den wir vergessen hatten :)). Es hat uns einfach mit seiner Funktionalität überzeugt, wir haben uns sehr wohl gefühlt.

Wenn man das Gebäude im 2. Obergeschoss verlässt, kommt man direkt zu einem wichtigen Treffpunkt: dem Speisesaal. Der Eingang für Rollstuhlfahrer ist tatsächlich durch die Küche, so kann man die Treppen am Haupteingang um rollen. Frühstück und Abendessen gab es hier für uns. Auch wenn es mich ein bisschen an die Schulzeit erinnert hat – war das “Boeuf Stroganoff” ein echter Genuss! Man darf von einer Kantine sicher keine Haute Cuisine erwarten, aber es war einfach nur lecker. Mit einer Gemüsesuppe vorweg und jeder Menge frischer Zutaten vom Salatbuffet, war das eine richtig gesunde & runde Nummer. Daher trägt das Sport Resort auch zurecht das Label “Fourchette Verte”, das für eine ausgewogene Ernährung steht.
Das Sport Resort Fiesch bietet eine breite Palette von Freizeitaktivitäten und ist nicht zuletzt dafür auch bei Sportlern äußerst beliebt. Vom Schwimmbad, über Fitnessraum, Sauna, Minigolf, Kegelbahn, Bogenschießen bis hin zu Tennis- und Badmintonplätzen und einer Kletterwand, alles ist da.

 

Swiss Seilpark

Mein persönliches Highlight aber war, ganz klar, der Swiss Seilpark. Hier stehen euch fünf verschiedene Parcours mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zur Verfügung. Und das Beste: ein Parcours des Seilparks ist sogar für Rollstuhlfahrer geeignet!
 
Mit einem Gleitschirmgurt geht es via Seilzug schnurstracks nach oben und ihr dürft euch munter von Baum zu Baum schwingen. Mich hat dabei der liebe Renato unterstützt, ganz alleine hätte ich die Sicherungen ansonsten nicht von A nach B setzen können.
Also egal wie viel Kraft ihr noch in den Armen habt, es kann echt fast jeder Rollifahrer mitmachen ☺ Ein sehr kurzweiliges und lustiges Unterfangen in luftiger Höhe, das ich sofort wieder machen würde. Es hat mir nämlich einen Heidenspaß gemacht. Mich macht das richtig glücklich, dass es Orte gibt, an denen nette Leute mit einer speziellen Vorrichtung dafür sorgen, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität in den Genuss kommen, so etwas zu erleben. Herzlichen Dank dafür an alle Beteiligten ♥

Auf dem Resort stehen euch übrigens kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Den Ortskern und die Seilbahnstation Fiesch-Eggishorn kann man durch eine Unterführung innerhalb 15 – 20 Minuten erreichen. Auch die Anreise mit dem Zug ist kein Problem, da das Resort über eine eigene Bahnstation “Feriendorf-Fiesch” und eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz verfügt.

 

Goms Bridge

Wer schon immer mal eine Hängebrücke überqueren wollte, der hat in Fürgangen, keine 5km von Fiesch entfernt, die Möglichkeit dazu. Die 92 Meter hohe und 280 Meter lange “Goms Bridge” verbindet die Gemeinden Bellwald und Ernen seit 2015 miteinander. Der aus Lärchenholz gebaute Steg bietet genügend Platz für Wanderer, Rollstuhl- und Fahrradfahrer.
Es schwankt hin und wieder, dank der starken Tragseile, Querträger und Stahlseile als Handlauf, könnt ihr aber ganz unbeschwert ans andere Ende der Brücke rollen oder laufen. Man bekommt einen herrlichen Blick auf den angrenzenden Wald, in die tiefe Lammaschlucht und auf den wilden Rotten, der durch die Schlucht hindurch fließt. Unvorstellbar, dass man früher nur über einen beschwerlichen und wegen der Erdrutsche auch nicht ungefährlichen Weg hinab durch die Talschlucht auf die andere Seite kam.
 

 

World Nature Forum

Wir haben einen verregneten Morgen genutzt und den Heimathafen des UNESCO-Welterbes Swiss Alps Jungfrau-Aletsch in Naters besucht. Das modernste Museum der Alpen ist aber nicht nur was für schlechtes Wetter. Im World Nature Forum wird eine echt einzigartige interaktive Ausstellung geboten, die einem mit allen Sinnen die Welt der Alpen näher bringt.
Dank einer Vielzahl von Erlebnisstationen, Info-Grafiken & kleinen Filmen lernt man auf eine spielerische Art & Weise eine Menge über die Entstehung der einmaligen Natur- und Gletscherlandschaft. Definitiv ist auch einiges für Kinder dabei. Besonders faszinierend für mich, der kleine Sandkasten, in dem man nur mit der Hilfe seiner Hände und etwas Licht, Berge und Flüsse entstehen lassen kann. Zu den Highlights der Ausstellung gehört außerdem ein Original Jungfraubahn-Wagon und der große Panorama-Raum, der auf einer 100qm großen Leinwand die schönsten Bilder des Weltkulturerbes zeigt. Das Forum ist barrierefrei und verfügt über eine rollstuhlgängige Toilette.
 

 

Paragliding

Und wieder etwas von der Bucket-List gestrichen. In Fiesch konnte ich mir einen kleinen Traum vom Fliegen erfüllen: Paragliding im wunderschönen Oberwallis! Der Wunsch dazu entstand tatsächlich vor nicht allzu langer Zeit, als wir noch auf der Rigi-Kulm standen und den vorbeifliegenden Menschen zugewunken haben. Da dachte ich mir tatsächlich das erste Mal, sowas könntest du auch mal ausprobieren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht mal, ob das für Rollstuhlfahrer überhaupt möglich ist. Keine 2 Monate später ging es nun auf die Fiescheralp und ich kann mein Glück noch gar nicht richtig fassen.
 

 

Der liebe Xandy von Flug-taxi.ch macht das befreiendste Erlebnis der Alpen möglich. Spaß und Erlebnis sollen ja bekanntlich keine Grenzen kennen! Mit dem Paragliding Passagierflug “Barrierefrei” wurde eine spezielle Variante geschaffen, die es querschnittsgelähmten und gehbehinderten Menschen ermöglicht, einen Tandemflug zu erleben. Für einen Tandemflug braucht man übrigens keine speziellen Vorkenntnisse, man sollte allerdings nicht mehr als 80kg wiegen. Mit einem extra angefertigten Rollstuhl kommt man vom Startplatz bis zur Seilbahn und dann durch die Luft wieder zum Landeplatz an der Flugschule. Vorausgesetzt das Wetter stimmt.
Wir mussten unseren Flug bereits um einen Tag verschieben, zu viele Wolken, zu wenig Wind. Darum war ich an “meinem neuen großen Tag” ab 6 Uhr so gar nicht damit beschäftigt aufgeregt zu sein, sondern Petrus anzubeten, damit er die Sonne für mich scheinen lässt. Denn die Berge waren zunächst wolkenumwoben und voll mit Nebelschleiern. Aber halb so wild, denn nach zwei Stunden, die wir auf dem Berg gewartet haben, haben sich endlich die fiesen grauen Monster verzogen und der wunderbare Wind brachte tatsächlich auch die Sonne zum Vorschein.
Gerade wenn man mit Rollstuhl, also auch viel Gewicht fliegt, müssen die richtigen Windbedingungen herrschen, damit man einfach und sicher abheben und landen kann. Zum Glück ist Xandy seit 30 Jahren Profi, er macht einen wirklich vertrauensvollen und sympathischen Eindruck – auf ihn könnt ihr euch gut und gerne verlassen.
Der Start war minimal holprig, der Flug unbeschreiblich schön. Man gleitet wirklich ganz geschmeidig durch die Lüfte, über die Berge und den Gletscher. Ein ganz herrlich befreiendes Gefühl, das zum ersten Mal MIR die Sprache verschlagen hat und das hat wirklich was zu heißen. Die tolle Aussicht auf die Aletscharena darf man während des ganzen Gleitschirmfluges, der ungefähr 15 Minuten dauert, einfach nur genießen ♥ “Feelfree” bekommt da nochmal eine ganz andere Bedeutung – kann man schwer beschreiben, muss man einfach mal selbst erlebt haben. Und wer noch eine kleine Entscheidungshilfe braucht, der wird sich wohl spätestens nach diesem Video ebenfalls auf die Reise begeben wollen.

 

Grimsel-& Furkapass

Nach dem Paragliding-Flug haben wir total geflasht die Heimreise angetreten. Ungeachtet dessen, wo uns das Navi hinlotzt, fuhren wir kurzerhand über den Grimsel- und den Furkapass! Wir waren völlig geplättet von den schier unendlichen Serpentinen und der einzigartigen Landschaft samt Seen und Wasserfällen auf mehr als 2400 Metern über dem Meer. War in jedem Fall nochmal der Oberknaller zur Heimfahrt!
Für viele Motorradfahrer ein lang gehegter Traum, diese Pässe einmal entlang zu fahren. Auf dem Hinweg war schon der Autoverlad eine schöne Überraschung für uns. Bin zuvor nämlich noch nie mit einem Autozug gefahren. Dass wir das auf dem Heimweg nochmal toppen, konnte keiner von uns ahnen. Jetzt bin ich nicht der allergrößte Serpentinen-Fan, aber diese 28km lange Straße, war wahrhaftig die Schönste, die ich je entlang gefahren bin.

 

12 KOMMENTARE

  1. Wow die Bilder vom Paragliding sind echt beeindruckend. Solche Urlaube mit viel Aktivitäten liegen uns auch viel eher als nur Faul am Strand rum liegen.

    LG, Fabian & Neele

  2. Liebe Kim,

    ich finde das toll was du alles machst und eine Wahnsinn Motivation für alle Menschen im Rollstuhl <3! Ich würde mich das nie trauen … also so hoch hinaus … da bin ich nicht mutig genug. Schön zu sehen, wie viel Freude du hattest. Danke fürs Teilen!

    Hab einen super Start in die neue Woche!
    lg
    Verena

  3. Wow, die Bilder sind sehr schön und du wirkst überglücklich 🙂 Toll, dass du so viel erlebt hast. Scheint wirklich eine tolle Zeit gewesen zu sein. Paragliding würde ich übrigens auch gern mal machen!
    Ich persönlich mache zwar gern Sport, könnte mich aber nicht zu so einem aktiven Urlaub aufraffen 😉

    Liebste Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

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