Kapstadt – Highlights

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Die Hafenstadt an der Südwestküste Südafrikas hat mich schnell verzaubert – in Kapstadt gibt es so ziemlich alles, was das Herz oder zumindest mein Herz begehrt: Berge & Meer, warmes Klima, herzliche Menschen, leckeren Wein, exotische Tiere in freier Natur und jede Menge schöne Landschaftsflecken, die einem mit grandiosen Aussichten beglücken.

Zwischen all dem ist Barrierefreiheit für mich als Rollstuhlfahrerin ein wichtiges Thema. Kapstadt kann mit extrem viel Rollstuhlfreundlichkeit punkten! Es gibt nicht nur abgesenkte Bordsteine, Fahrstühle und Rampen, sondern fast überall auch rollstuhlgerechte Wege, Zugänge, Parkplätze und Toiletten. Das hat uns mehr als überrascht und gleichzeitig natürlich total begeistert. Wir mussten uns unterwegs so gut wie keine Gedanken darüber machen, weil wir an kaum einem Ort auf Widrigkeiten gestoßen sind. Einige große Autovermietungen bieten sogar behindertengerechte Fahrzeuge, d.h. mit Handgas (hand controls), zur Miete an. Im Allgemeinen haben wir über Südafrika im Vorfeld so viel Gutes gehört, dass ich fast Angst hatte, Kapstadt könne meinen Erwartungen nicht standhalten. Davon kann man sich getrost frei machen, die Stadt ist so schön und vielseitig, da ist ganz sicher für jeden was dabei.

„I’m in love with cities I’ve never been to and people I’ve never met“

Kapstadt hat es, neben Tel-Aviv und New York, unter meine TOP 3 Lieblings-Städte geschafft. Warum das hier so schön ist und was man hier am besten macht, erzähle ich euch anhand meiner Kapstadt Reisetipps aka Lieblingserlebnisse ♥

Kapstadt Reisetipps – Favorite things to do

1.   Tafelberg

Seit unserem Ausflug in die Aletsch Arena habe ich ein ganz besonderes Faible für Berge. Es kann gar nicht hoch genug sein und am allerliebsten fahre ich mit (barrierefreien) Seilbahnen. Genau damit ging es für uns auch in Südafrika auf eine Höhe von 1087 Metern. Die riesigen Kabinen der Table Mountain Aerial Cableway sind barrierefrei zugänglich und bieten Platz für circa 65 Personen. Es ist ganz egal wo ihr euch in der Gondel platziert, der rotierende Boden sorgt für einen 360° Ausblick.

Oben angekommen darf man sich nicht nur über eine kleine Aussichtsplattform freuen, sondern über einen sehr weitläufigen Nationalpark mit über 1000 Pflanzenarten, die entdeckt werden möchten. Die Aussicht ist von allen Seiten atemberaubend. Unbeschreiblich schön ist es, wenn sich dann noch die Wolken wie Wasserfälle die Klippen hinab stürzen. Ich hätte dort einfach ewig ausharren und zuschauen können. Von dem gern besuchten “Wahrzeichen” waren wir echt überrascht – landschaftlich ist das einfach der Oberknaller. Der Tafelberg ist definitiv einen Besuch wert.

Ticket für Erwachsene One Way 190 Rand und Return 290-330 Rand. Wir sind am Nachmittag gekommen, man darf theoretisch bis zur letzten Talfahrt oben bleiben. Parkplätze für Rollstuhlfahrer gibt es direkt am Eingang. Wir mussten nicht anstehen und durften auch ohne Voranmeldung direkt bis zum Aufzug bzw. Seilbahn.

2.   Botanischer Garten Kirstenbosch

Überall wo Lorenz und ich in Urlaub gehen, treibt es uns immerzu in die botanischen Gärten dieser Erde. Lorenz liebt Bäume und ich exotische Pflanzen. Der Botanische Garten in Kirstenbosch beheimatet ein paar besonders schöne Exemplare. Auf dem 36 Hektar großen – weitestgehend barrierefreien –  Areal gibt es jede Menge zu entdecken. Besonders der Baumwipfelpfad hat es mir angetan. Auf der Höhe der Baumkronen hat man auf dem “Tree Canopy Walk” den allerschönsten Ausblick Richtung Kapstadt und zur Ostseite des Tafelbergs – den 130 Meter langen Weg kann man problemlos mit Rollstuhl oder Kinderwagen entlang düsen. Vor Ort oder online erhältlich: eine Map, die die barrierefreien Wege eingezeichnet hat. Sie ist sehr hilfreich, wenn man sich hier nicht verlaufen möchte oder doch plötzlich vor einer Treppe steht. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 70 Rand (Stand April 2019).

3.   Chapman’s Peak Drive

Die neun Kilometer lange Küstenstraße ist ein wunderschönes Erlebnis und für mich eine der schönsten Strecken, die wir in Südafrika entlang gefahren sind. Auf dem Rückweg vom Kap der Guten Hoffnung haben wir genau den Sonnenuntergang erwischt und das schönste Licht, das uns auf den 114 steilen Kurven zwischen Meer und Felswänden begleitet hat. Auf der Strecke findet man genug Parkplätze oder Buchten, die zum Verweilen einladen. Der Ausblick ist nach jeder Kurve etwas schöner. Am Ende der Strecke wird eine kleine Maut fällig (47 Rand pro Auto/Stand April 2019), es empfiehlt sich immer etwas Kleingeld dabei zu haben.

4.   Helikopterflug

Endlich hat es geklappt und ich durfte mir den Traum vom Helikopter fliegen erfüllen. Das letzte Mal wollte ich mit meinen Mädels in Vegas einen Flug durch den Grand Canyon machen, dieser musste wegen eines Sandsturmes leider abgesagt werden. Das ist bei mir übrigens ständig so, wenn ich mir etwas Bestimmtes im Urlaub vornehme, kommt irgendwas dazwischen. Von Naturkatastrophen bis hin zu menschlichem Versagen oder eben doch nicht so “Lutzi-kompatibel”, wie versprochen. Aber alles halb so wild und spontan ist es meistens doch am schönsten.

Wir haben recht kurzfristig das Helipad an der V&A Waterfront aufgesucht und bei Cape Town Helicopters einen privaten Flug entlang der Atlantikküste bekommen. Ein unvergessliches Ereignis, das ich mir hätte schöner nicht vorstellen können, auch wenn die 20 Minuten gefühlt in Sekunden an dir vorüberziehen. Die Mitarbeiter vor Ort waren super freundlich und total hilfsbereit (auch um mich in den Helikopter zu hieven).

5.   Old Biscuit Mill

Auf dem Gelände einer ehemaligen Keksfabrik in Woodstock findet man Restaurants, Designerläden, Antiquitäten, Möbel, Bilder und Delikatessen. Wer samstags in Kapstadt ist, sollte unbedingt beim Neighbourgoods Market vorbeischauen – Musik, Streetfood aus aller Herren Länder & unterhaltsames buntes Treiben. Also egal ob Kunsthandwerk oder Gourmet-Leckerbissen, hier wird man fündig.

Restaurant-Tipp auf dem Gelände: The Pot Luck Club – unbedingt im Vorfeld online reservieren. Ihr dürft euch über sehr leckere kleine Speisen in Tapas-Größe freuen. Ein Konzept genau nach meinem Geschmack – man teilt nämlich all die göttlichen Kleinigkeiten!

6.   Sundowner Signal Hill

Der Berg wird auch “Körper des Löwen” genannt und zählt neben dem Tafelberg und Lion’s Head zu den Bekanntesten in Kapstadt. Auf 350 Metern bietet er eine fantastische Aussicht auf die Waterfront und das Meer. Am besten nimmt man sich etwas zum Picknicken mit und genießt den Sonnenuntergang mit allen anderen Aussicht-Genießern. Die passenden Bilder davon sind leider auf (und mit) unserer Kamera in Südafrika geblieben – es ist malerisch schön, wenn die Sonne blutrot den Tag verabschiedet. Rechtzeitig hochfahren, damit man einen guten Platz für sein Auto am Straßenrand findet, bevor sich alle in einer Schlange tummeln.

7.   Boulders Beach

In Simon’s Town findet man den weltberühmten Pinguin-Strand.  Seit wir uns für den Urlaub in Südafrika entschieden haben, konnte ich es kaum erwarten den kleinen Geschöpfen in freier Wildbahn zu begegnen. Die Brillenpinguinen-Kolonie am Foxy Beach wird durch einen Holzsteg von den zahlreichen Besuchern geschützt – hier kann man bequem und barrierefrei auch als Rollstuhlfahrer einen Blick auf die ca. 3000 Tiere werfen. Wer am Besucherzentrum vorbei geht Richtung Boulders Beach, der kann sich hier sogar (mit dem nötigen Abstand und Respekt gegenüber den Lebewesen) mit ihnen in der Sonne räkeln

Mit Rollstuhl schwierig, Lorenz hat mich halt “einfach” ohne Lutzi im Sand abgeladen und ein kleiner Freund hat mir dabei etwas Gesellschaft geleistet. Ihr zahlt 1x Eintritt und könnt damit beide Strandabschnitte besuchen. Man kann natürlich auf eigene Faust in Simons Town andere Strandabschnitte besuchen oder via Kajak die Pinguine anpeilen. Man kann die kleinen Anzugträger überall in der Gegend finden. Mit Rollstuhl hat man es in dem Besucherzentrum natürlich am einfachsten.

8.   V&A Waterfront

Die Victoria & Alfred Waterfront ist das Hafenviertel von Kapstadt. Neben dem Einkaufszentrum, Museen, kleinen Geschäften und zahlreichen gastronomischen Unternehmen, findet man rund um den Yachthafen exklusive Hotels und Appartements. Die unzähligen Freizeit- und Unterhaltungsmöglichkeiten zwischen Straßenmusikern und Werftarbeiten locken jede Menge Besucher in den Hafenbezirk rund um die zwei Becken voller Ausflugs-, Fischer- und Segelboote. Mein Highlight – natürlich hat es wieder mit Essen zu tun – der V&A Food Market, untergebracht in einem historischen Kraftwerksgebäude direkt am Nobel Square,auf dem die Denkmäler der vier Nobelpreisträger des Landes stehen.

9.   Zeitz Mocaa Museum

Das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa gilt als das weltweit größte Museum für zeitgenössische afrikanische Gegenwartskunst. Das 2017 eröffnete Mocaa befindet sich im Silo district auf dem Gelände der V&A Waterfront. Die 6000 qm Ausstellungsfläche, der Skulpturengarten und das Restaurant sind mit mehreren Aufzügen barrierefrei zu erreichen.  Der Eintritt beträgt stolze 190 Rand, für afrikanische Bürger ist es weniger. Das Museum bietet Aktionen für ermäßigten Eintritt an bestimmten Tagen – Genaueres dazu erfahrt ihr auf der Zeitz Mocaa Homepage.

10. Cape Point / Kap der guten Hoffnung

Vom Kap der guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt Afrikas, hat sicher jeder schon mal gehört. Was uns allerdings nicht klar war, dass man es nur durch ein Haupttor des darum liegenden Nationalparks erreicht. Der Eintritt von 303 Rand ist kein Schnäppchen und wenn man Pech hat, muss man davor auch ewig in der Autoschlange anstehen, um neben den vielen Reisebussen reinfahren zu können. Es ist super windig am Kap der Guten Hoffnung und alle stehen für ein Foto an – früher von Seefahrern gefürchtet, heute bei Touristen heiß begehrt. Warum weiß ich auch nicht genau 🙂

Die Kulisse am Cape Point gefällt mir wesentlich besser. Der Blick der Besucherplattform um den Leuchtturm ist nicht zu verachten. Die Baboon-Familien, die dort oben leben,  sind sehr unterhaltsam, aber Vorsicht: Wer sich nicht vorsieht, hat schneller einen Affen im Auto sitzen, als einem lieb ist. Auf der Suche nach Essen hat ein besonders freches Exemplar keinen Halt vor Lorenz gemacht 😉

Diese Begegnung bleibt natürlich wieder unvergessen, dennoch würde ich kein weiteres Mal ans Kap der Guten Hoffnung fahren. Außer man hat vor in dem Nationalpark zu Wandern, das muss fantastisch sein – nur zum Gucken gibt es so viel schönere (oder mindestens genauso schöne) Küstenstraßen und Aussichtspunkte in Südafrika, die weniger oder gar keinen Eintritt kosten.


Nach Kapstadt ging es für uns weiter Richtung Stellenbosch, Garden Route und Johannesburg. Mehr dazu bald!

Alle Unterkünfte unsere Südafrika Reise findest du hier.

7 KOMMENTARE

  1. Wahnsinn, was für tolle Fotos. Ich bekomme langsam wirklich Lust, selbst einmal nach Kapstadt zu reisen, aber habe hier mehrere Klötze am Bein, die das verhindern. Ich finde es super, dass Du Dich durch nichts von Deinen Reisen abbringen lässt.
    Liebe Grüße
    Anja

    • Vielen Dank! In den Genuss kam ich noch nicht – beim nächsten Mal vielleicht 🙂 Kann mir sehr gut vorstellen, dass wir nochmal nach Südafrika kommen und gerne noch tiefer in das schöne Land eintauchen.

  2. Huhu,

    oh mein Gott, das schaut ja wirklich verdammt gut aus. Die Aufnahmen sind der absolute Hammer. Auch toll, das es dort so Rollstuhlfreundlich ist, das hätte ich gar nicht erwartet. Ich habe nun richtig Fernweh bekommen…

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