Meersburg am Bodensee – barrierefrei erleben

Meersburg mit Rollstuhl entdecken

Nach unserem Roadtrip durch Norditalien war der perfekte Abschluss für unsere Reise ein Aufenthalt in Meersburg am Bodensee. Schon nach unserem ersten Besuch am Bodensee stand Meersburg ganz oben auf unserer Wunschliste für den nächsten Ausflug. Kultur und Kulinarik haben für dieses Wochenende die Hauptrolle ergattert und natürlich die Stadt Meersburg und ihre Sehenswürdigkeiten barrierefrei entdecken. Wir haben uns schon darauf eingestellt, dass die Kleinstadt ein paar steile Gassen und Kopfsteinpflaster bereithält. Aber davon lassen wir uns natürlich nicht abhalten, mit meinem Rollstuhl Lutzi auf Entdeckungstour zu gehen. 

Romantik Hotel – Residenz am See

Die Residenz am See hat eine fantastische Lage direkt an der Uferpromenade vom Bodensee. Was das Haus aber außerdem zu etwas Besonderen macht, ist die Leidenschaft, mit dem die Hoteliersfamilie Lang und ihr gesamtes Team seine Gäste verwöhnt. Und “Verwöhnen” wird hier wirklich großgeschrieben, was uns nicht nur zum Frühstück, sondern auch jeden Abend einen kulinarischen Hochgenuss bescherte. Schon das 4-Gang-Verwöhnmenü und die A-la-Carte-Speisen im Residenz Restaurant waren ausgezeichnet.

Dennoch hat das Überraschungsmenü gepaart mit erlesenen Weinen im Gourmetrestaurant “Casala” dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Dazu war der Service während unseren gesamten Aufenthaltes stets charmant und souverän.

Unser rollstuhlfreundliches und sehr gemütliches Doppelzimmer ist mit einer ebenerdigen Dusche + Hocker, Haltegriff am WC und einem unterfahrbaren Waschbecken ausgestattet. Das Zimmer wird nicht explizit als behindertengerecht bezeichnet, dennoch wurde bei der Renovierung das Bestmögliche in Sachen Barrierefreiheit umgesetzt. Zur Terrasse mit seitlichem Seeblick, die zum Doppelzimmer Nummer 26 im 2. Obergeschoss gehört, gelangt man über einen kleinen Absatz. Neben dem auch direkt eine mobile Rampe deponiert wurde, um die Terrasse barrierefrei zu erreichen. 

Neben den Treppen am Haupteingang des Hotels befindet sich ein ebenerdiger Seiteneingang mit leichter Steigung. Auf der gleichen Ebene wie unser Zimmer gelangt man übrigens in den hauseigenen Kräutergarten. Dort lassen sich die Sonnenstunden auf den Relaxliegen mit Blick in die Weinberge besonders gut aushalten. Mit einem Aufzug (Türbreite 90 cm, Innenraum 1,10m x 1,60m) gelangt ihr auf alle Etagen, zu den Restauranträumen und dem Frühstücksbuffet.

Und das Frühstück in der Residenz am See ist wirklich etwas ganz Besonderes. Die Qualität ist ausgezeichnet, die Speisen sind sehr ansprechend angerichtet und die Portionen in Weck-Gläschen sind nicht nur schön fürs Auge, sondern auch besonders hygienisch und nachhaltig. Im Frühstück steckt hier jedenfalls ganz viel Liebe (nicht nur zum Detail). Der „Smoothie of the day“ und sämtliche Eierspeisen werden Euch direkt am Tisch serviert. Wir hatten Anfang September so herrliches Wetter, dass wir jeden Morgen auf Restaurant-Terrasse genießen durften. 

Stadtführung Meersburg – barrierefrei

Meersburg liegt am nördlichen Ufer des Bodensees. Zwischen der Unter- und Oberstadt besteht ein Höhenunterschied von 40 Metern. Die steil zum Marktplatz hinaufführende Steigstraße war früher die einzige Verbindung zwischen beiden Teilen, erzählt uns Herr Zweschper, der uns auf eine kleine Stadtführung durch die historische Altstadt in der Oberstadt mitgenommen hat. Er kann uns zu fast jedem Fachwerkhaus, aber auch zu den romantischen Gassen eine Geschichte erzählen. Zu den teils abschüssigen Wegen gesellen sich auch noch ein paar Kopfsteinpflaster, die glücklicherweise in den meisten Straßen relativ flach ausfallen oder einen ebenerdigen Seitenstreifen zum Ausweichen bieten.

Im Meersburger Stadtplan (erhaltet ihr im Hotel oder bei der Tourist-Info) lassen sich Wege und Straßen ohne Stufen gut erkennen. Es sind erfreulicherweise auch behindertengerechte Toiletten und Parkplätze eingezeichnet. Wem die Steigstraße zu steil ist, dem empfehle ich, die beiden Stadtteile getrennt anzuschauen und ggf. erst hinterm Kirchplatz zu parken und anschließend an der Uferpromenade oder umgekehrt.

© www.meersburg.de

Neues Schloss Meersburg

Barrierefreiheit und Denkmalschutz gehen nicht immer miteinander einher, was ziemlich schade ist. Vor allen Dingen bei öffentlichen und/oder kulturellen Einrichtungen und Gebäuden, die doch eigentlich für jeden Menschen zugänglich sein sollten. In Meersburg gibt es gleich mehrere gute Beispiele, die das prima miteinander vereinbart haben. Ich beginne mit dem Neuen Schloss, ein wirkliches Schmuckstück der barocken Architektur. Dank der schön ins Gebäude integrierten Rampen, bekommen Menschen mit Rollstuhl Zugang ins Schloss, aber auch den wunderschönen Garten mit einer wahnsinnigen Aussicht über den Bodensee bis zu den Alpen. Wer sich im Café des Neuen Schloss mit Kuchen und Kaffee verwöhnt, findet anschließend eine behindertengerechte Toilette im EG.

Ein Aufzug bringt euch in die Ausstellungsräume im 1. Obergeschoss, die einst die Residenz der Fürstbischöfe von Konstanz war. Das Herzstück der Ausstellung ist die Beletage, die aus prachtvollen Gemächern und edlen Wohnräumen mit Stuckdecken besteht.

Direkt neben dem Neuen Schloss befindet sich die Schlosskapelle, die heute als evangelische Kirche genutzt wird. Man kann schon von außen einen Blick in das schöne Innere und die Wandmalereien des Freskenmalers Gottfried Bernhard Götz werfen. In die Kapelle gelangt man allerdings nur über drei Stufen.

Burg Meersburg

Die Burg Meersburg ist die älteste noch bewohnte Burg Deutschlands. Sie befindet sich seit dem 19. Jahrhundert in Privatbesitz. Im Jahr 1977 ist die Familie Naeßl-Doms in den oberen Teil des eindrucksvollen Anwesens gezogen. Wir hatten Glück, dass die Burgherrin selbst, Frau Julia Naeßl-Doms, so freundlich war, uns eine kleine Führung durch den öffentlichen Teil zu geben. Zumindest durch den Bereich, den man auch mit Rollstuhl relativ gut (max. kleine Absätze) erreichen kann. Der Kiesweg führt einen u.a. in die ehemaligen Gemächer von Annette von Droste-Hülshoff, die 1848 auf der Burg verstorben ist, aber auch zur Waffenkammer. Wir haben unsere Führung im Innenhof des Burgcafés beendet und konnten einen schönen Eindruck des mittelalterlichen Bauwerkes bekommen, auch wenn der überwiegende Rest der Räumlichkeiten nur über Treppen zu erreichen ist.

Vineum Bodensee

Mitten in der Altstadt in einem historischen Gebäude des ehemaligen Heilig-Geist-Spital befindet heute das Vineum – das Haus des Weins. Als Kinder der Weinstraße konnten wir uns das Erlebnishaus und Museum für alle Sinne natürlich nicht entgehen lassen. Dank Aufzug und Rampe ist das denkmalgeschützte Gebäude komplett rollstuhlgerecht. Etwas tricky sind die zwei Stufen am Eingang, die aber mit zwei mobilen Schienen auch mit Rollstuhl zu überwinden sind. Die Ausstellung über die Kulturgeschichte des Weins beginnt im EG vor einem riesigen Weintorkel, der bis 1922 noch in Betrieb war. Auf zwei weiteren Etagen erfährt man alles Wissenswerte zum Weinbau in Meersburg, am Bodensee, aber auch der ganzen Welt.

Da das beste bekanntlich zum Schluss kommt, dürfen wir nach unser Führung auch noch probieren worüber wir die ganze Zeit gesprochen haben. Im Vineum gibt es dafür einen Vinomat, prall gefüllt mit 16 Weinen aus dem Anbaugebiet um den Bodensee. Per Knopfdruck kann man dem Automaten die “Probier-Schlückchen” entlocken. Wir durften zum ersten Mal einen Piwi Wein probieren, dazu gab es Schokolade. Der perfekte Abschluss für unseren kurzweiligen Aufenthalt.

Meersburger Bootsbetriebe

Die meisten Schiffe der weißen Flotte der Bodensee Schifffahrtsbetriebe sind barrierefrei zugänglich. Die rollstuhlgerechten Modelle sind an der Anzeigetafel des Hafens in Meersburg mit einem Rollstuhlsymbol gekennzeichnet. Schwerbehinderte mit Ausweis und gültiger Wertmarke werden zwischen Konstanz-Überlingen-Meersburg-Lindau und Radolfzell-Reichenau kostenlos befördert. Ebenso die Begleitperson, wenn ihr ein B im Ausweis habt.

Da wir diesmal gar nicht vorhatten Meersburg zu verlassen und ich kleine Boote einem großen Schiff vorziehe, haben wir uns wieder ein Elektroboot ausgeliehen. Den kleinen roten Flitzer gibt es bei Bootsvermietung Frey, direkt im Stadtgarten zwischen dem BSB Hafen und der Meersburg-Therme. Für eine Stunde beträgt die Ausleihgebühr 35 €.  Es gibt leider keine besondere Einstiegshilfe für Rollstuhlfahrer. Ich habe mich auf den Steg gesetzt und Lorenz hat mir dann beim Umsetzen geholfen – klappt also wirklich nur mit starker Begleitung, so zumindest meine Einschätzung. 

Meersburg Therme – barrierefrei

Mein allerliebstes Element: Wasser! Ich liebe Schwimmen. Und wenn möglich genieße ich am liebsten einen Badegang im warmen Thermalwasser mit Außenbecken. In der Bade- und Saunawelt in der Meersburg Therme wird man dazu noch mit einer herrlichen Aussicht auf den Bodensee und das Panorama der Schweizer Alpen belohnt. Dank des erhöhten Beckenrandes, konnte ich mich ganz einfach vom Rollstuhl auf den Rand umsetzen und ins Becken purzeln lassen. Aber keine Sorge, für wen das keine Option ist, hat die Therme auch einen Poollift, in den ihr euch reinhängen könnt. Das Badepersonal ist euch beim Ein-und Ausstieg gerne behilflich. Es gibt vor Ort natürlich auch eine behindertengerechte Umkleide, Dusche und Toilette.

Pfahlbautenmuseum – Unteruhldingen

Wir haben bei unserem letzten Besuch am Bodensee bereits das Pfahlbautenmuseum in Unteruhldingen besichtigt. Das außergewöhnliche Freilichtmuseum bietet einen weitgehend barrierefreien Rundgang durch die Nachbauten eines ganzen Pfahldorfes. Auch bei einem zweiten Besuch gibt es noch einiges Neues zu entdecken. Was euch dort und bei einem Urlaub am Bodensee noch erwarten könnte, lest ihr im nächsten Beitrag zum Bodensee.


Für die herzliche Gastfreundschaft, die wahnsinnige kulinarische Verköstigung und vor allem dem Interesse, das die Residenz am See und einige weitere Meersburger dem Thema Barrierefreiheit widmen, möchten wir uns an dieser Stelle nochmal herzlich bedanken. Wir haben uns im Romantik Hotel und in Meersburg sehr wohl gefühlt und können einen Aufenthalt mit und ohne Rollstuhl unbedingt weiterempfehlen.

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