Ostfriesland – barrierefrei entdecken

Reisen mit Rollstuhl*Werbung – Für die Reise durch Ostfriesland hatten wir eine Kooperation mit der Ostfriesland Tourismus GmbH, die uns bei der Erstellung unseres Programms behilflich war. In diesem Beitrag findet ihr davon unabhängig, wie immer, meine freie Meinung.

Oh du schönes Ostfriesland – du hast wirklich gehalten, was du versprochen hast: ziemlich viele rollstuhlgerechte Ausflugsziele und eine ordentliche steife Brise. Wenn man sich darauf einstellt, auch im Sommer, Gebrauch von Windbreaker, Regencape und Mütze zu machen, kann man nur noch positiv überrascht werden und Ostfriesland barrierefrei erkunden. 

Die Ferienregion hat nämlich die bundesweite Auszeichnung “Barrierefreiheit geprüft” erhalten. Einige Ferienorte haben dafür barrierefreie Angebote entwickelt, die wir auf unserer Ostfriesland-Reise mit Rollstuhl ausprobiert haben. Mit unserer rollstuhlgerechten Ferienwohnung möchte ich meinen Beitrag beginnen, gefolgt von einigen attraktiven Ausflugszielen auf dem Festland und zwei benachbarten Inseln.

Horumersiel – Ferienwohnung Gästehaus Euken

Das Gästehaus Euken im Wangerland war unser Zuhause für eine Woche. Das Haus in der Deichstraße 13 hat 3 komfortable und ca. 50 qm große Ferienwohnungen, die für Rollstuhlfahrer perfekt ausgestattet sind. Extra breite Türen, eine ebenerdige Terrasse und ein Duschbad mit unterfahrbarem Waschbecken und Haltegriffen an der Toilette, sowie Duschsitz in der ebenerdigen Dusche. Das Appartement war pikobello sauber und neben einer voll ausgestatteten Küche auch noch schön eingerichtet. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. In fußläufiger Umgebung erreicht man in dem hübschen Ort Horumersiel Restaurants, einen Supermarkt und den Yachthafen.

Greetsiel – Nationalpark-Haus

Für meinen ersten Besuch an der Nordsee der perfekte Einstieg, um etwas über die vielfältige Natur im Norden zu lernen. In der Ausstellung “365 Tage – rund um die Leybucht” die ganzjährig im Nationalparkhaus Greetsiel zu sehen ist, geht es um die jahreszeitlichen Veränderungen im Wattenmeer und seine tierischen Bewohner. Die Ausstellung beinhaltet viel interaktive Elemente, weshalb sie m.E. auch gut für Kinder geeignet ist, um spielerisch etwas über Naturerlebnisse zu lernen. Die Ausstellung bietet außerdem Einblick in das Leben der Menschen an der Küste, inklusive Küstenschutz und Fischerei.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 5 €, die Räume sind barrierefrei zugänglich und verfügen über eine rollstuhlgerechte Toilette.

Der Küstenort Greetsiel ist bekannt für seinen Hafen, die alten Fischerboote und für seine charmanten Backsteinhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Perfekt für einen kleinen Spaziergang mit anschließendem Mittagessen in einem der umliegenden Restaurants.

Harlesiel – Strandpromenade

Der charmante Badeort liegt im Norden von Carolinensiel und ist der perfekte Ort für einen leuchtenden Sonnenuntergang. Ein lauschiges Plätzchen ideal für ein Erfrischungsgetränk direkt am Meer ist die Strandlounge der Nordsee Academy. Direkt dahinter ist das Restaurant Wattkieker, in dem ihr durch einen Aufzug zu einer behindertengerechten Toilette findet. Es stehen ausreichend Behindertenparkplätze auf dem Areal zur Verfügung und die geteerte Strandpromenade, zu der man über einen Holzsteg gelangt, ist ideal für einen Spaziergang an der Nordseeküste.

Schillig – rollstuhlgerechte Wattwanderung

So matsch fun – eine Wattwanderung mit Joke von waddensea.travel macht richtig Spaß. Mit Groß und Klein geht er im Wattenmeer auf die Suche nach den “Small Five”. Damit sind Wattwurm, Herzmuschel, Strandkrabbe, Wattschnecke und Nordseegarnele gemeint. Um das UNESCO Weltnaturerbe bei Ebbe selbst zu erkunden, ist es (z. B. in Schillig) möglich, ein Wattmobil für Menschen mit Behinderung auszuleihen. Beim Wattwanderzentrum Ostfriesland könnt ihr eine barrierefreie Tour anfragen, eine frühzeitige Reservierung wird empfohlen.

Norden – Teemuseum

Das Nationalgetränk von Ostfriesland ist (Schwarz-)Tee. Wer also in die Welt der ostfriesischen Teekultur eintauchen möchte und mehr über die Verarbeitung und Herstellung der berühmten Mischung erfahren möchte, ist hier goldrichtig. Die Dauer- und Sonderausstellungen des Teemuseums in Norden erstrecken sich auf mehrere Stockwerke in 5 miteinander verbundenen Gebäuden. Durch einen Nebeneingang ist das Museum stufenlos zugänglich. In einem der Häuser befindet sich ein Aufzug, sodass große Teile der Ausstellung (abgesehen vom Dach und Keller des Altbaus) mit einem Rollstuhl erreicht werden können. Die Exponate lassen sich auch im Sitzen gut einsehen. Ich empfehle an einer “Teezeremonie” teilzunehmen, dort erfahrt und schmeckt ihr die komplette Vielfalt. Mehr zum Thema Barrierefreiheit findet ihr bei Reisen für Alle, wonach das Haus zertifiziert wurde.

Norden – Seehundstation Norddeich

“Heuler” – so nennt man Seehund-Jungtiere. Findet man jene ohne dazugehörige Familie an der Nordsee, werden sie in die Seehundstation gebracht. Dort werden sie aufgepäppelt, gut genährt und nach ca. 4 – 6 Wochen wieder ausgewildert. Damit sie sich nicht zu sehr an den Menschen gewöhnen, darf man sie deshalb auch nur aus der Ferne betrachten. Die zuckersüßen Lebewesen liegen am liebsten in der Sonne, spielen mit ihren Artgenossen und essen kleine Fische. Das zur Seehundstation gehörige interaktive Museum eignet sich für Groß und Klein und ist barrierefrei zugänglich.

Wilhelmshaven – Naturerlebnisfahrt

Das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum in Wilhelmshaven bietet sog. “Natur-Erlebnisfahrten” an. Dabei werden Schleppnetze ins Wasser gelassen und je nach Ausbeute gibt es Fische, Seesterne, Krebse, Muscheln oder andere Meeresbewohner zu bestaunen (die anschließend wieder ins Wattenmeer entlassen werden). Wir hatten sogar das Glück direkt zu Beginn der Fahrt ein paar Schweinswale zu sehen. Eine Tour dauert ca. 1,5 Stunden und wird von zertifizierten Mitarbeitern des Besucherzentrums begleitet. Über eine Rampe und mit Hilfe des Bordpersonals ist lediglich das obere Deck der Schiffe mit Rollstuhl erreichbar, nicht der untere Teil – daher nur bedingt barrierefrei. Am Hafen von Wilhelmshaven gibt es eine behindertengerechte Toilette. 

Friedeburg – Paddelstation

An der Paddel- und Pedalstation in Friedeburg gibt es Kanus mit höhenverstellbaren Sitzen, was das Ein- und Aussteigen für gehende Menschen schon mal erleichtert. Für Rollstuhlfahrer müsste der Sitz m.E. noch eine Schwenkfunktion haben, damit man mit Rollstuhl neben dem Kanu parken und sich dann umsetzen kann. Wir haben uns eine recht “abenteuerliche” Konstruktion mit einer Bierbank gebaut und einen Versuch gewagt, um ins Kanu zu gelangen. Was tatsächlich auch funktioniert hat und wir zu einer kleinen Fahrt auf dem Ems-Jade-Kanal aufgebrochen sind. Noch ist die Station nicht wirklich rollstuhlgerecht. Die Betreiber feilen aber noch an einer Variante, damit sie barrierefreies Paddeln bald für alle anbieten können.

Bad Zwischenahn – Park der Gärten

Über 9000 Pflanzenarten und 44 Mustergärten gibt es im Park der Gärten zu entdecken. Auf dem sehr gepflegten ehemaligen Gelände der Landesgartenschau befindet sich außerdem ein Aussichtsturm, Spielplätze, jede Menge Sitzgelegenheiten und Picknickmöglichkeiten. Die Fläche von 140.000qm ist bestmöglich barrierefrei gestaltet. Das Gelände hat ein behindertenfreundliches, steigungsfreies Wegesystem und mehrere rollstuhlgerechte Toiletten. Nur wenige Pfade sind nicht geteert, aber dennoch befahrbar. Rollstuhlfahrerinnen erhalten ermäßigten Eintritt, die Begleitperson ist kostenfrei.

Bad Zwischenahn – Scholjegerdes Hof

Tradition, schönes Leben & gutes Essen. Im liebevoll restaurierten Scholjegerdes Hof hat für uns einfach alles gestimmt. Toller Gastraum, freundliche Bedienungen und ein leckeres Abendessen. Auf der Karte findet ihr z. B. Vesperbrett, knuspriges Hofschnitzel, aber auch vegetarische Kartoffel-Gemüse-Puffer oder andere saisonale Angebote. Zu unserer Freude ist das Anwesen barrierefrei zugänglich, es sind Behindertenparkplätze und eine rollstuhlgerechte Toilette vorhanden.

Emden – Kunsthalle

Dank der gemeinnützigen „Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo“ entstand 1986 die Kunsthalle in Emden. Durch öffentliche und private Unterstützung von vielen Seiten hat sich die Kunsthalle über die Jahre zu einer der wichtigsten und zugleich schönsten Museen Norddeutschlands gemausert. Bis auf einen kleinen Raum, sind die 1700qm Ausstellungsfläche barrierefrei zugänglich. Mit einem Aufzug gelangt man in das obere Stockwerk oder zum behindertengerechten WC im Untergeschoss.

Wir kamen bei unserem Besuch in den Genuss die Ausstellung “Wild & Schön” – Tiere in der Kunst und “Apokryphe Landschaften” von Sven Drühl zu sehen. Neben den Kunstwerken sind QR-Codes zum Abscannen angebracht, mit denen auf Wunsch Hörtexte der Audioführung direkt auf dem Smartphone abgespielt werden können. Die Ausstellungen der modernen und zeitgenössischen Kunst wechselt die Kunsthalle mehrmals im Jahr. Das Haus bietet außerdem ein großes “Kunst-aktiv”-Angebot in Form von Workshops, Fortbildungen oder Malkursen – bei denen jeder Kunstfreund seine eigenen Talente entdecken kann.

Kleiner Tipp: Nebenan im Café Henris gibt es täglich wechselnden und leckeren Mittagstisch.

Insel Langeoog

Mein persönliches Highlight – die autofreie Insel Langeoog. Mit der Fähre geht es – tideunabhängig – von Bensersiel nach Langeoog. Der Einstieg erfolgt je nach Wasserstand dank Rampe mühelos, maximal jedoch mit einer Stufe. Das Schiffspersonal ist beim Einstieg gerne behilflich, an Bord gibt es eine behindertengerechte Toilette. Mit einer Wertmarke ist die ca. einstündige Fahrt für Rollstuhlfahrer und deren Begleitperson kostenlos. Auf Langeoog angekommen, steigt man in die roten Wagons der rollstuhlgerechten Inselbahn um, die einem zum Bahnhof befördert. Von dort sind es nur wenige hundert Meter zum Ortskern, als auch zum Strand. 

Auf Langeoog hatten wir trotz heftigen Windes den schönsten Strandspaziergang aller Zeit. Durch die Dünen und zwischen den bunten Strandkörben bin ich mit dem sogenannten „Cad.Kat“ entlang gedüst. Das motorisierte Strandmobil wird per Joystick bedient und fährt dank seiner übergroßen Reifen mühelos durch den Sand. Du kannst das Gefährt kostenlos ausleihen, die Anmeldung erfolgt am besten telefonisch unter dieser Nummer: 04972/693194. Für alle, die gerne ins Wasser möchten, gibt es vor Ort auch Baderollstühle, die einen ins kühle Nass befördern. Die Tourist-Info findet man auf Langeoog im Haus der Insel, dort findet ihr auch ein rollstuhlgerechtes WC.

Insel Langeoog – Ebbe und Flut

Das Café und Restaurant im Ortskern von Langeoog bietet raffinierte deutsche Küche. Von Krabbensuppe, über Pasta “Nordsee” bis hin zu Allerlei von Feld und Wiese. Die Terrasse und der Innenbereich sind stufenlos zugänglich, eine rollstuhlgerechte Toilette gibt es ebenfalls vor Ort.

Insel Norderney

Am letzten Tag unserer Ostfriesland-Woche sind wir bei strahlendem Sonnenschein mit der barrierefrei zugänglichen Fähre nach Norderney geschippert. Mit dem SB Ausweis und einer Wertmarke für den öffentlichen Nahverkehr ist auch hier die Fahrt für Rollstuhlfahrer und Begleitperson kostenfrei. Direkt am Eingang des Hafens in Norddeich stehen zwar Behindertenparkplätze zur Verfügung, jedoch nur zum Ein- und Ausladen. Die Überfahrt mit der Fähre dauert ca. 55 Minuten. Eine rollstuhlgerechte Toilette gibt es an Bord. 

Auf der Insel Norderney angekommen kommt man am besten mit dem ÖPNV von A nach B. Wir sind mit dem Bus vier Stationen Richtung Innenstadt gefahren, um durch die Fußgängerzone zu schlendern und anschließend an der Promenade des Nordstrands zu spazieren. Auch auf Norderney ist es möglich vers. Strandrollstühle gegen Gebühr auszuleihen, allerdings nur mit vorheriger Anmeldung und Terminbuchung.

Insel Norderney – Surfcafe

Wir haben dieses schöne Café auf gut Glück bei einem Strandspaziergang entdeckt und uns direkt verliebt. Das helle und moderne Lokal ist über eine Rampe barrierefrei zugänglich und hat eine behindertengerechte Toilette. Wir saßen bei traumhaftem Wetter draußen und haben den Blick aufs Meer in vollen Zügen genossen. Die Karte bietet eine riesige Auswahl an Speisen und Getränken. Den Bauernsalat mit gratiniertem Ziegenkäse-Baguette und Thymianhonig kann ich wärmstens empfehlen.

Insel Norderney – Marienhöhe

Der perfekte Ort um zum Abschluss unserer Reise nochmal den Blick über das glitzernde Wattenmeer genießen zu können. Der Name Marienhöhe lässt es schon vermuten, es geht einen kleinen Berg hinauf. Der Weg und der Zugang zur Terrasse sind dennoch mit Rollstuhl zugänglich (nur die Toilette nicht). 


Für meine Schwester und Reisebegleitung:

Eine Woche Tränen gelacht,

trotz steifer Brise ne‘ Wattwanderung gemacht. 

Stets mit Sand paniert,

über das Leben und die Psyche des Menschen siniert.

Backpfeifen vom Wind kassiert,

Unbeirrt durch den Schlick marschiert,

Apfel-Quitten-Schorle getrunken,

Und Leuten aus der Ferne gewunken.

Mörderischen Podcasts gelauscht,

mit dem Strandmobil durch die Dünen gesaust.

Auf die Insel mit der Fähre gefahren,

mit ganz viel Trockenshampoo in den Haaren 😅

Die Meeresbrise aufgesaugt,

und ewig auf den glitzernden Horizont geschaut.

Danke für die schöne Zeit. Deine Kim

Noch mehr Informationen -in Form von rollstuhlgerechten Unterkünften und Ausflugszielen – für euren barrierefreien Urlaub findet ihr bei Ostfriesland Travel

1 Kommentare

  1. Corinna Lichtenberg

    Immer wir war ich gerne auf Norderney, ich liebe es! Bis zum vorigen Jahr hatten wir eine ferienwohnung, in der wir ein Pflegebett mieten konnten. Nun sind diese Wohnungen leider verkauft und die Vermieter möchten nicht, dass ein Pflegebett aufgestellt wird. Das ist wirklich schade, vor allen Dingen, wo es elektrisch verstellbaren Lattenroste Schule in vielen anderen Hotels gibt. Es gibt noch weitere Unterkünfte auf Norderney für Rollstuhlfahrer, das einzige was wirklich Barriere frei ist, ist das Haus der Caritas „Insel Oase“. Nur leider eben keine Ferienwohnung. Wie schade, dass Barriere frei nicht immer bedeutet dass ein Pflegebett dabei ist. Oder eben wenigstens ein elektrisch verstellbarer Bett Rahmen. Es gibt noch ein Hotel (ganz neu) welches sich bei barrierefrei nennt, ist aber leider überhaupt nicht ist. Ich würde so gerne jedes Jahr zweimal nach Norderney fahren und trauer dem wirklich hinterher! Zumal die Insel sonst wirklich für Rollinutzer Super ist! Es gibt einen Strand Rollstuhl (elektrisch) das ist der absolute Hammer!

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