Stopover auf einen Singapur Sling

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Auf dem Weg nach Bali haben wir einen 3-tägigen Zwischenstopp in Singapur eingelegt.
Zwischen dem kleinsten Insel- und Stadtstaat Südostasiens und uns hat es so mittelprächtig gefunkt. “Asien light” habe ich im Vorfeld oft über die Löwenstadt gehört. Sie ist lang nicht so hektisch und um einiges ruhiger als zum Beispiel Bangkok. Singapur besteht aus einer Hauptinsel, drei größeren und 58 weiteren kleineren Inseln. Auf einer Fläche etwas kleiner als Hamburg leben 5,6 Millionen Einwohner.
Für meinen Geschmack gibt es hier allerdings etwas zu viel “Don´ts´”  und zu wenig “Do´s”, mir fehlt es etwas an Authentizität, zu viel Künstliches, und davon abgesehen auch ziemlich teuer. Nichtsdestotrotz ist Singapur eine absolut sehenswerte Stadt. Was uns in der saubersten und sichersten Stadt der Welt den Atem geraubt hat und was wir erlebt haben, gibt es hier:

 

Hotel Pan Pacific Singapore

Zunächst einmal wo wir übernachtet haben – unser Hotel war das Pan Pacific Singapore. Mit über 700 Zimmern ein riesen Bunker, dennoch schön eingerichtet und vor allem barrierefrei zugänglich und mit rollstuhlgerechten Zimmern ausgestattet, die einen tollen Ausblick auf die Stadt oder die Marina bieten. Vor allem die Lobby beeindruckt mit einer besonderen Architektur und vielen einzelnen scheinbar schwebenden Sitzgelegenheiten. Das Pan Pacific verfügt über einen Außenpool mit angrenzendem Spa-Bereich, Sauna und Fitnesscenter. Am besten gefallen hat uns dann aber doch das sagenhafte Frühstücksbuffet – es werden nämlich zahlreiche Köstlichkeiten aus allerlei Ländern angeboten – sodass man neben dem Frühstücksei auch gleich eine Nudelsuppe zum Tagesbeginn schlürfen kann, wenn man das möchte.

Marina Bay Waterfront

Wem die Hitze nicht zu sehr zu schaffen macht, kann Singapur sehr gut zu Fuß erkunden. Vom Hotel zur Marina Bay dauert es keine 15 Minuten. Die Gehwege sind breit genug und an den Fußgängerübergängen sind die Bordsteine abgesenkt. Wer möchte kann zwischendurch auch die Metro nutzen, das Netz der MRT ist sehr gut ausgebaut, führt zu allen Sehenswürdigkeiten und kann auch von Rollstuhlfahrern genutzt werden. Fast alle Stationen verfügen über Aufzüge und in die Metro geht es ebenerdig.

 

Bootsfahrt

An der Marina Bay angekommen, haben wir uns erst mal für eine Singapur River Cruise entschieden. Die 40-minütige Fahrt auf den Holzbooten schlängelt sich auf dem Singapur River durch den Hafen der Stadt entlang. Kurz nach dem Start unserer Fahrt begegnet man schon dem Wahrzeichen der Stadt: der Merlion – halb Löwe, halb Fisch. Seit 1964 steht die Figur an der Marina Bay im Merlion Park und spuckt Wasser aus.
Auf der Fahrt bekommt man einen guten Überblick des Central Business Districts (CBD), vorbei am Boat & Clarke Quay. Man hat natürlich auch einen guten Ausblick auf das Marina Bay Sands, das auf seinen 3 Säulen über der Stadt zu schweben scheint. Dort oben befindet sich der höchste und längste Infinity Pool der Welt mit einem durchsichtigen Beckenrand.
Besonders am Abend lohnt sich die Flussfahrt entlang der schillernden Skyline. Es gibt verschiedene Stopps und Ein-/Ausstiegsmöglichkeiten, allerdings mit Rollstuhl nicht ganz so easy rein- oder raus zukommen. Lutzi mussten wir rüber heben und zu den Sitzplätzen auf dem Boot muss man zwei Stufen überwinden. Zu viert war das kein Problem, zu zweit hätten wir allerdings unsere Schwierigkeiten gehabt. Die Fahrt kostet übrigens 25 SGD (Singapore Dollar) pro Person.

Gardens by the bay

Unweit von der Marina entfernt findet ihr Gardens by the Bay – ein ca. 101 Hektar großes Parkgelände, das auf künstlich aufgeschüttetem Land errichtet wurde. Die Regierung erhofft sich durch solche Grünflächen, dass die Lebensqualität der Einwohner verbessert wird. Mitten in der Anlage stehen zwei riesige Gewächshäuser – der Flower Dome und der Cloud Forest. Pflanzen aus aller Welt , 100 jährige Olivenbäume und ein Meer an Blumen gibt es hier zu sehen. Der Flower Dome wurde 2015 übrigens als weltweit größtes Gewächshaus ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen.
Mittlerweile eines der beliebtesten Fotomotive: die berühmten Super Trees, die im ganzen Garten verteilt aus der Parkanlage herausstechen. Schon verrückt solche gigantischen riesen Fake-Bäume. Besonders schön sind sie am Abend, während der Licht- und Musikshows, die es jeden Abend um 19:45 und 20:45 Uhr gibt. Und 22m über dem Grund verbindet der OBCB Skywalk einige Super Trees miteinander. Von hier oben hat man ein fantastischen Blick auf das Spektakel. Dank Fahrstuhl können auch wir Rollstuhlfahrer hinauf befördert werden, um in schwindeleregender Höhe die Aussicht zu genießen.
Die Parkanlage zu besuchen ist übrigens kostenlos. Die beiden Gewächshäuser kann man für 28 SGD besichtigen, den Skywalk für 8 SGD.  

 

Singapore Botanic Gardens and National Orchid Garden

Auf wahnsinnigen 74 Hektar verteilen sich die Singapore Botanic Gardens und der National Orchid Garden. Jedes Jahr kommen über 4 Millionen Besucher in den wichtigsten botanischen Garten Asiens. Lorenz, unser kleiner Hobby-Botaniker, konnte sich so eine Pflanzenvielfalt auf keinen Fall entgehen lassen. Die Vielzahl und Größe der dort zu findenden Pflanzen sind echt wahnsinnig beeindruckend.
Übrigens bekommen hier einige Staatsoberhäupter und andere bekannte Persönlichkeiten bei einem Besuch des Gartens ihre ganz persönliche Orchidee gewidmet. Prinz William und seine Kate haben eine, aber auch Angela Merkel und Herrn Steinmeier wurde die Ehre zu Teil, im Orchideengarten wurden auch Pflanzen nach ihren Namen benannt.

 

Essen

Zum Essen haben uns die Hawker Center, so eine Art Food Court, am besten gefallen. Hier gibt es zu fairen Preisen allerlei asiatische Spezialitäten. Durch die Ansammlung der vielen Garküchen ist die Auswahl groß. Von unserem Hotel haben wir einen dieser Foodmärkte in nur 5 Min. erreicht. In jedem Stadtteil sind die angebotenen Speisen etwas anders. Gerne wäre ich noch nach Chinatown oder Little India, dorthin haben wir es aber nicht mehr geschafft. Gerade in “Indien light” wäre ich gerne mal eingetaucht – in meiner Vorstellung zu Indien gibt es herrlich frische Blüten, alles knallbunt, Frauen in Sarongs mit verschiedenen Mustern und überall duftet es nach Gewürzen. Naja beim nächsten Stopover vielleicht.

Unseren Abschlussdrink haben wir uns in einem ganz besonderen Ambiente gegönnt – und zwar in einer kleinen Bar in Form eines Leuchtturms, die auf dem Dach des Fullerton Hotels steht. Die Preise waren natürlich astronautisch hoch (Bier 12$/Cocktail 25$), aber der Blick aus dem “Lighthouse” über die Marina Bay und das Marina Bay Sands war spektakulär. Das muss man einfach sagen. Im Fullerton gibt es zudem auch noch die Rooftopbar “Lantern”, in der man auch Essen kann.
Der Reiseführer hat uns empfohlen im Raffles den berühmten Singapur Sling zu probieren. Das Hotel, in dem der Cocktail erfunden wurde, hat eine richtig schöne koloniale Atmosphäre – die Long Bar dort wird meiner Meinung allerdings etwas überschätzt. Ohne den 30$ Drink hätte ich auch gut leben können.

Der Inselstaat ist in jedem Fall anders als das Asien, das wir bisher kannten, obwohl es ja geografisch gesehen mittendrin liegt. Es bleibt beeindruckend, was das Land in so kurzer Zeit geschafft hat. Innerhalb weniger Jahrzehnte schaffte Singapur den Sprung vom Entwicklungsland zur internationalen Metropole mit einem der wichtigsten Containerhäfen der Welt.
So perfekt, so fragwürdig, so unterschiedlich, so modern, so steril, irgendwie asiatisch und doch wieder nicht. Aus der Ferne betrachtet ist Singapur um einiges moderner und futuristischer als Europa. Und doch findet man zwischen den Wolkenkratzern auch asiatisch-wuselige Ecken. In der Tat fällt es mir schwer das richtig zu beschreiben. Wir haben uns die faszinierende Stadt gerne angesehen, würden es aber für einen kompletten Urlaub nicht ausschließlich ansteuern. Auf Rollstuhlfahrer und deren Bedürfnisse ist man hier sehr gut eingestellt – da dürfte man für einen schönen Aufenthalt nicht allzu viele Hindernisse haben.

2 KOMMENTARE

  1. Mittlerweile kostet der OCBC Skywalk 8 SGD 😀
    In den Gewächshäusern war ich bisher noch nicht, stehen aber ganz oben auf der Liste 🙂
    Ich selbst fand Little India gar nicht so toll. Es hat schöne bunte Ecken, keine Frage.
    Aber es ist direkt viel dreckiger dort, die Menschen sitzen teilweise im Dreck, an manchen Ecken riecht es auch wirklich übel.
    VIelleicht bin ich einfach Singapur-verwöhnt mittlerweile, wobei ich hier nicht noch einmal herkommen muss. Es ist schön, aber künstlich. Das Klima ist gar nichts meins.. Und ich glaube nach fast 6 Monaten (die ich im März beende), habe ich auch alles wichtige gesehen.
    Falls du mal aktuell über Singapur lesen willst, schau gerne auf meinem Blog rum 🙂
    https://gowhereyourhearttellsyoutogo.wordpress.com/

    Ganz liebe Grüße aus der heißen, teuren, Supermetropole! 😀
    Michelle <3

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