Ab geht die Lutzi

Lutzi – so heißt mein Rollstuhl.

Es ist eine kleine Macke von mir, Gegenständen einen Namen zu geben, die ich besonders mag. LUTZI ist mein Ein und Alles kann man schon sagen, ohne sie wäre ich aufgeschmissen. Sie ist ziemlich klein, ähnlich wie ein normaler Faltrollstuhl, zusammenklappbar aber mit elektronischen Rädern, die ich über einen Joystick bediene. Da das recht flott geht, heißt es immer: “ab geht die Lutzi”.

Die Gute hat auch mal ihre Wehwehchen. Ziemlich häufig ist der Akku kaputt und dann ist es recht mühselig schnell Ersatz zu bekommen. “Sie fahren zu viel”, schimpft mein Sanitätshaus dann immer. Woraufhin ich gerne sage: “Selbstverständlich! So oft und solange es geht, ich möchte schließlich was erleben und nicht zu Hause rumsitzen”.

Ein größerer Rollstuhl, mit fest integrierten Akkus kommt für mich aus vielerlei Hinsicht nicht in Frage. Ich könnte damit dann nicht mehr fliegen, ich käme nicht mehr auf die Hebebühne der Bahn, auch nicht mehr in den Fahrstuhl bei uns zu Hause oder ins Büro, ebenso wenig in mein extra umgebautes Auto. Lutzi passt einfach perfekt!

Auf Lutzi angewiesen bin ich seit ungefähr 20 Jahren. Früher kam sie nur bei längeren Wegstrecken zum Einsatz. Heute komme ich ohne sie leider nicht mehr so richtig vom Fleck. Im Alter von zwei Jahren wurde bei mir Spinale Muskelatrophie (SMA) diagnostiziert. Eine Art Muskelschwund, verursacht durch den Untergang motorischer Nervenzellen im Rückenmark. Dadurch werden Impulse an meine Muskeln nicht weitergeleitet, ich kann sie nicht mehr steuern…auf gut Deutsch: sie lösen sich auf. Angefangen hat es in den Beinen, ich merke es zunehmend aber im ganzen Körper und hoffe, dass es so schnell nicht meine Atemmuskeln erreicht. Aber daran möchte ich jetzt wirklich noch nicht einmal denken.

Doof war ein Unfall 2015, bei dem ich mir gleich 3x das Bein gebrochen habe. Nach der OP und 3 Monaten in einer Schiene, hat mir das natürlich auch die letzte Kraft meiner Beinmuskeln geraubt, sodass ich seither auch nicht mehr wenige Schritte in der Wohnung selbstständig gehen kann. Seitdem ist es auch besonders wichtig für mich, dass mein Urlaub weitestgehend rollstuhlgerecht ist.