“Wenn der Berg ruft…”

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…dann kommen wir. Es hat uns in die Aletsch Arena verschlagen, wo uns in luftiger Höhe das ein oder andere Abenteuer erwartet hat. Ich weiß jetzt nicht, ob noch wer bei “Arena” so absurde Gedanken bekommt und an Stierkämpfe oder ähnliches denkt. Mir kam der Gedanke tatsächlich selbst ursprünglich. Mag vielleicht daran liegen, dass ich im letzten Jahr zu viel Zeit in Spanien verbracht habe. Obwohl ich von Spanien nie genug kriegen werde, darf ich euch gleich beruhigen: auf die blutige Tradition kann ich gut und gerne verzichten 😉

Bei der Aletsch Arena handelt es sich jedenfalls um eine wunderschöne Ferienregion in der Schweiz. Egal ob Riederalp, Bettmeralp oder Fiesch-Eggishorn hier gibt es kristallklare Luft und die schönste Sicht auf die Viertausender des Kanton Wallis. Im Winter ist hier Schneesicherheit garantiert, weshalb die Region bei Schneesportbegeisterten natürlich ganz hoch im Kurs steht.
Das befreiendste Naturerlebnis der Alpen kann man aber auch im Sommer erleben, deshalb waren wir im August auf der autofreien Bettmeralp unterhalb des Aletsch-Gletschers zu Gast. Ab der ersten Sekunde waren wir fasziniert von dieser imposanten Kulisse in packender Höhe und der herrlich frischen Luft, die uns in Empfang genommen hat. Von der Talstation in Betten kommt man in wenigen Minuten mit der Seilbahn (barrierefrei) in das authentische Dorf auf 2000 Höhenmetern.

„Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken“

Novalis

 

Wer hier Urlaub macht und freie Fahrt mit allen Aletsch Bahnen haben möchte, dem empfehle ich den Wanderpass Aletsch+, ein kombiniertes Bergbahn- und Zugticket, welches für 1 bis 28 Tage erhältlich ist. Die durchgängige Infrastruktur der Region macht es auch Menschen mit Behinderung möglich diese Gegend mit all ihren schönen Facetten zu entdecken. Mal abgesehen davon, dass ich auch im Tal ohne meinen E-fix-Antrieb nur schwer vorankomme, ist der Zusatzantrieb in den Alpen echt goldwert. Es gibt einige hügelige Straßen, daher kann es von Vorteil sein, starke Muckis in den Oberarmen oder “motivierte Schieber” mit auf Reisen zu nehmen, wenn man mit einem manuellen Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs ist. Während der Sommermonate steht einem auf der Bettmeralp außerdem der “Aletsch-Express” zur Verfügung. Die Linie 1 – ein kleines Elektromobil – verbindet die Ferienorte Riederalp und Bettmeralp und ist dank mobiler Rampe auch für Rollstuhlfahrer geeignet.

Die Aletsch Arena steht für eine einzigartige Naturlandschaft, die neben ihrem Naturphänomen, dem Aletschgletscher, jede Menge Platz für eine Vielzahl von Sporterlebnissen bietet. Wandern, Biken, Golfen, Gleitschirmfliegen oder Klettern sind nur ein paar davon. Die Berge gelten als Kraftort für die Seele, als ultimative Herausforderung für Abenteurer und als Sehnsuchtsort für Wanderer, Romantiker oder Naturverliebte. Ich zähle auf jeden Fall zu den letzten beiden Kategorien, wobei ich mich dieses Mal sogar ein wenig sportlich betätigt habe, aber dazu kommen wir noch in meinem nächsten Beitrag. Zunächst ein paar Infos rund um die Bettmeralp, die wir für die ersten Tage unser Zuhause nennen durften.

 

WOHNEN

Kann man auf der Bettmeralp in Hotels oder Ferienwohnungen, die allesamt in zauberhaften Walliser Holzchalets zu finden sind. Unsere Unterkunft Hotel La Cabane**** ist genauso ein charmantes Holzhaus, welches seine Gäste in stilvollem und gemütlichem Ambiente empfängt.

Die rund ein Dutzend Zimmer & Suiten wurden alle nach Hütten aus dem Schweizer Alpen Club benannt. Wir waren in dem sehr geräumigen “Britannia” untergebracht, das neben dem großen Doppelbett über eine Sitzecke, einen Südbalkon und ein Bad mit Badewanne verfügt. Super gemütlich und sauber, ein schöner Ort zum Wohlfühlen. Für Fußgänger wirklich uneingeschränkt zu empfehlen, für Rollstuhlfahrer bedingt. Ich selbst konnte mit einem Hocker zwar auch in der Badewanne duschen, bin aber meistens auf die ebenerdige Dusche im Saunabereich ausgewichen. Wir hatten den riesigen barrierefreien Nassbereich auch immer für uns alleine, deswegen war dies für uns überhaupt gar kein Problem. Trotzdem wäre es natürlich praktischer, wenn man direkt ein barrierefreies Bad auf dem Zimmer hätte.

Das Hotel la Cabane liegt, wie fast alle Häuser dort oben, direkt an einem Hügel und kann von verschiedenen Ebenen betreten werden. Dank des gläsernen Aufzuges kommt man auch mit Rollstuhl problemlos auf jede Etage. Die schönste Fahrt ging morgens zu dem reichhaltigen und leckeren Frühstücksbuffet. Alle Produkte stammen aus regionalem Anbau und sind mit ganz viel Liebe sorgfältig ausgewählt. Es gibt Obst, Birchermüsli, eine abwechslungsreiche Wurst – und Käseauswahl, Gemüse und jede Menge frisch Gebackenes. Auch das perfekte Frühstücksei durfte nicht fehlen, nur ist das mit den Garzeiten ja so eine Sache. Wachsweich im Innern, das mögen viele gern. Doch das Eiweiß darf auch nicht mehr schlabbern – zumindest ist das meine Wunschvorstellung zur Konsistenz 😀 Damit nichts schief geht, darf man sich im La Cabane an der “Eier-Koch-Station” sein Ei nach Belieben “wachsweich, mittel oder hart” kochen. Allerdings müsst ihr beachten, dass die Kochdauer in den Bergen tatsächlich etwas länger ist, als gewöhnlich. Mindestens 2 Minütchen müsst ihr drauf rechnen.

Wie ihr seht ist uns das Frühstück in besonders guter Erinnerung geblieben und sorgt in dem Gästehaus auf jeden Fall immer für einen guten Start in den Tag. Sowohl Seilbahn, Sesselbahn, als auch Gondel erreicht ihr von hier aus problemlos zu Fuß oder auf Rollen. Familie Mattig-Minnig und ihre Angestellten waren ausgesprochen gastfreundlich und bemüht uns unseren Aufenthalt zu verschönern. Mit ihrem kleinen Elektroauto kutschieren sie auch gerne euer Gepäck bis zur Seilbahn. Die Unterkunft ist auf jeden Fall ein Ort, an dem man sich heimisch fühlen kann.

 

ESSEN

Mitten im Ort und direkt ums Eck des Hotels La Cabane findet ihr das Hotel & Restaurant Alpfrieden. Hier darf den ganzen Tag geschlemmt werden, egal ob mittags, zwischendurch oder abends. Entweder im gemütlichen Restaurant oder auf der schönen Sonnenterrasse mit bezaubernder Aussicht auf die Berge. Wir haben uns bei einem Abendessen auf der Terrasse Frittatensuppe, Salat und Pasta mit Ragout schmecken lassen. Das Restaurant erreicht ihr barrierefrei, allerdings über eine kleine relativ steile Straße. In die rollstuhlgerechte Toilette im 1. Obergeschoss gelangt man via Aufzug. Der Service ist sehr professionell, freundlich, aber auch persönlich – lieben Dank an die bezaubernde Sandra, die uns neben dem Essen auch noch einen ganz ausgezeichneten und herzlichen Service geboten hat.

 

 

 

AUSSICHT GENIEßEN

Von der Bettmeralp geht es mit der barrierefreien Gondelbahn auf das Bettmerhorn. Der Einstieg in die Gondel klappt dank hochklappbarer Sitze und mobiler Rampe auch für Rollstuhlfahrer ganz mühelos.

Über einen gut angelegten Holzsteg gelangt ihr auf 2647 Höhenmetern zu einer Aussichtsplattform, die euch einen sensationellen Blick auf einen großen Teil des Aletschgletschers beschert. Wer mehr zu dem Eisgigant erfahren möchte, der hat auf dem Bettmerhorn die Möglichkeit die multimediale Ausstellung “Erlebnis Eiswelt Bettmerhorn” zu besuchen, sehr anschaulich und spielerisch erhält man eine Menge Informationen über den (noch) 23 km langen Eisstrom, vor dem leider auch der Klimawandel keinen Halt macht. Durch die globale Erderwärmung ist der Aletschgletscher stark von der Abschmelzung betroffen. Doch bei seiner momentanen Größe und dem gigantischen Wasserspeicher könnte man aktuell noch jeden Erdenbürger 4,5 Jahre täglich mit einem Liter Wasser versorgen, nur als ungefähre Größenordnung. Der Faszination dieses Riesen werdet ihr euch bei einem Besuch nicht entziehen können.

 

Die Ausstellung ist übrigens kostenlos und eignet sich für Groß & Klein als spannende Entdeckungsreise in die Geheimnisse des ewigen Eises! Die Attraktion des UNESCO-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch befindet sich übrigens auf zwei Etagen und ist mit einem Rollstuhl-Treppenlift ausgestattet. Den Schlüssel dazu erhaltet ihr im Restaurant oder beim Service der Gondelbahn. Kulinarisch wird man auf dem Bettmerhorn auch verwöhnt. Im Panorama-Restaurant werden nämlich einige Walliser Spezialitäten angeboten. Die Cholera, eine Art Gemüsekuchen aus Lauch, Kartoffeln, Käse und Äpfeln ist wirklich sehr zu empfehlen!!

Kleiner Tipp: Lasst eure Sorgen auf dem Berg!

Was immer euch bewegt, Sorgen bereitet oder aber euch dankbar macht, schreibt es auf einen Glücksstein und deponiert ihn auf einem der Aussichtspunkte. Nutzt die Möglichkeit und kehr unbeschwert nach Hause zurück. Die Glückssteine bekommt ihr an den Bergbahnen, in Info-Centern und sogar in manchen Hotels oder noch besser: ihr sucht euch euren eigenen einfach in der Natur.

 

SPAZIEREN

Kann man in der Aletsch Arena auf über 300 km langen Wanderwegen ganz wunderbar. Ein Teil der Wanderwege wurden sogar so angelegt, dass sie auch mit Rollstuhl machbar sind. Wir haben uns auf den Spaziergang rund um den Bettmersee aufgemacht, natürlich mit kurzem Boxen-Stop an dem idyllisch gelegenen S´Bootshüsi. Im Sommer werden euch auf der Seeterrasse kühle Getränke, Snacks und Eis serviert. Tretboote und Stand-Up-Paddle kann man ausleihen.
Der Weg zum See bringt ein paar steilere Aufgänge mit sich, die ich dank Elektroantrieb echt gut hinter mich gebracht habe. Der Weg um den See ist dann nicht mehr hügelig, der Boden zwar auch nicht mehr asphaltiert, aber fest genug um mit Rolli entlang zu sausen.

 

 

Ein etwas längerer Spaziergang führt über die Aletschpromenade zur Riederalp. Die Strecke misst einfach ungefähr 3 km und hat uns an ganz bezaubernden Hütten bis hin zur Gondelstation Moosfluh gebracht. Mit einer lila Gondel ging es hier sicher und bequem zu einem weiteren herrlichen Aussichtspunkt auf 2333 Metern. Der Gletscher scheint auch hier oben wieder zum Greifen nah, aber auch der Blick ins Tal während der Fahrt kann sich sehen lassen.

Den Spaziergang zurück haben wir genauso genossen, bei Bedarf kommt man nach dem erneuten Höhenflug auch bequem mit dem “Aletsch-Express” wieder zurück ins Dorf.

 

Ich konnte früher die Frage “Berge oder Meer?” überhaupt nicht verstehen. Hätte ich mich entscheiden müssen, hätte ich immer das Salzwasser gewählt. Nach jedem Besuch in den Bergen fällt mir die Antwort darauf schwerer. Aber warum muss man sich auch entscheiden, wenn einen beides fasziniert. Ich liebe Urlaub am Meer, aber ich bin auch ein großer Fan von den Bergen, vor allem im Sommer, wenn sie mit ihren blühenden Tälern und atemberaubenden Panoramen locken. Man bekommt hier Aktivurlaub und erholt gleichzeitig die Seele. Egal ob große Truppe oder traute Zweisamkeit – hier findet jeder seinen eigenen magischen Ort.
Wer also eine autofreie Auszeit inmitten charmanter Berghütten, mit leckerem Essen & authentischen Menschen, ganz vielen Tieren & herzigen Traditionen sucht, der sollte sich unbedingt mal auf die Bettmeralp in der Aletsch Arena verirren, um einfach mal wieder richtig viel Energie zu tanken!

Von der Bettmeralp ging es wieder runter ins Tal nach Fiesch, aber dennoch “Hoch hinaus”. Lasst euch überraschen!

10 KOMMENTARE

  1. Wow! Da stellst du uns wieder ein tolles Plätzchen vor. Ich muss gestehen dass ich noch nie in der Schweiz war … aber irgendwann muss ich das nachholen. Denn alleine deine Fotos von der wunderschönen Natur sind einen Besuch wert.

    vielen Dank fürs vorstellen!
    Liebe Grüße
    Verena

  2. Huhu,

    ich finde das echt bewundernswert das du trotz Rollstuhl die Lust an die Berge nicht verloren hast. Ich liebe die Berge total, daher gefallen mir Bilder und die Berichte wirklich sehr. Das Zimmerchen wo ihr übernachtet habt, wäre auch genau mein Geschmack gewesen und auch die Wanderwege etc. 🙂 Echt schön!

    Lg
    Steffi

  3. Wow! Das sind ja tolle Ausblicke. Finde es total klasse, dass du dich, trotz Rollstuhl, nicht vom Wandern abhalten lässt und umso besser dass der Lift und auch der Aletsch-Express dich dabei unterstützt mit der Rampe. Perfekt!
    Liebe Grüße,
    Tama <3

    • Hi Tama, ja da hast du Recht – so eine barrierefreie Seilbahn, die Gondeln oder auch die Busse erleichtern dir das ungemein. Für mich war es dadurch echt eine wunderschöne entspannte Auszeit 🙂 Herzliche Grüße Kim

  4. Was für ein toller Bericht. Ich finde es toll, dass du so einen wundervollen Ort zeigst. Und ich habe sogar ein paar Bekannte die im Rollstuhl sitzen und aktuell nach schönen Orten umsehen. Ich gebe den Beitrag also weiter 🙂
    Aber das mit der Badewanne fand ich irgendwie komisch. Alles ist gut für Rollstuhlfahrer ausgelegt, aber das Bad nicht. Der Hocker ist auch nicht das Wahre.
    Schade irgendwie.

    Danke dir für die tollen Eindrücke
    Xoxo Vanessa

    • Hi Vanessa, vielen Dank für deinen Kommentar. Da hast du absolut Recht, das Bad kann noch optimiert werden. Wobei der Weg in den Saunabereich in den flauschigen Bademänteln, die auf dem Zimmer für dich bereit lagen, wenigstens eine gute Alternative war 🙂 Herzliche Grüße auch an deine Freundin – hoffe Sie findet etwas Anregung auf meinem Blog ♥

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