Die faszinierenden Ruinenstätten der Maya – Chichén Itza, Uxmal und die Ruinen von Tulum im Vergleich

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Wir haben eine kleine Reise in die Vergangenheit unternommen und uns ein paar der bekannten und archäologisch erfassten Ruinenstätten der Maya in Mexiko angeschaut. Darunter können ehemals bewohnte Städte oder rein religiöse Zeremonie- und Opferstätten sein.
Die heute noch übrig gebliebenen Gebäude bestehen ausschließlich aus Steinen, Bauwerke aus Holz oder Lehm sind aufgrund der Witterung längst verrottet. Vor allem zwei unterschiedliche Grundtypen kann man dabei am häufigsten sehen: Tempelpyramiden und Palastanlagen. Anders als die Pyramiden der Ägypter, dienten die Pyramiden der Maya selten als Grabmäler, sondern vor allem als Unterbau von Opferstätten. Auf ihrer Spitze befand sich in der Regel ein Tempel auf der die kultischen Opferzeremonien durchgeführt wurden.

 

Chichén Itza

Die wohl bedeutendste und größte präkolumbische Stätte liegt ziemlich mittig der Halbinsel Yucatan. Auf dem Weg von Chuburna nach Tulum haben wir einem der neuen sieben Weltwunder einen Besuch abgestattet. Durch einen großen Eingangsbereich mit Souvenirshops, Restaurants und Eisläden werden die Besucherströme in die archäologische Zone geleitet, auf der man zahlreiche alte Maya-Bauten findet. Das Weltkulturerbe und Wahrzeichen der Region will sich kaum einer entgehen lassen. Früh kommen lohnt sich wirklich, andernfalls kann man in dem Sog der Reisebus-Gruppen schon mal untergehen. Auf den über 1547 Hektar verteilen sich die Menschenmassen zum Glück ganz gut und man kann zahlreiche verschiedene Bauwerke mit unterschiedlichen Architekturstilen ganz entspannt entdecken. Dazwischen verteilen sich nur noch weitere (geschätzte) hundert Souvenirstände.
Bis 1200 war die Stätte bewohnt, aus welchen Gründen sie damals von ihren Bewohnern verlassen wurde ist bis heute nicht bekannt. Der für Besucher zugängliche Bereich ist sehr gut erschlossen und von kleinen Wegen durchzogen, die man auch mit Rollstuhl gut befahren kann. Das beliebteste Fotomotiv, die 30 Meter hohe Stufenpyramide “El Castillo”, steht direkt im Zentrum der Tempelanlage. Und wer sich wundert, wieso die Fremdenführer mit den Touristengruppen ständig in die Hände klatschen, der muss nur die Ohren spitzen. Steht man nämlich vor einer Seite der Pyramide, wird der Schall viele hundert Meter weit zurückgeworfen und verstärkt. Durch die große und glatte Reflektionsfläche entsteht ein Echo, das beim Händeklatschen wie ein Pistolenschuss klingt.
 
Auf dem Gelände befinden sich außerdem zwei Cenoten, die allerdings nicht zum Schnorcheln oder Baden geeignet sind. Sie wurden früher als Opferbrunnen gebraucht, in denen man nicht nur Opfergaben aus Gold und Kupfer fand, sondern auch menschliche Skelette. Zur Cenote de los Sacrificios führt ein 300 Meter langer und holpriger Weg, den man sich wirklich sparen kann, außer man möchte an den vielen Ständen etwas stöbern oder shoppen. Das 15 Meter tiefe Erdloch ist wenig aufregend, man kann von der Aussichtsplattform rein gar nichts Interessantes entdecken.
Die Anlage Chichén Itza an sich ist wirklich beeindruckend, unglaublich was man früher ohne wirkliche Werkzeuge oder Lasttiere errichtet hat. Etwas weniger Verkaufsstände würden dem Flair dort sicherlich nicht schaden. Es gab ohnehin an jedem dritten Stand das Gleiche.

 

Valladolid

Nur 40 km von Chichén Itza entfernt, liegt die wunderschöne Kolonialstadt Valladolid. Innerhalb der beschaulichen und ruhigen Gassen finden sich viele nette Hotels, Bekleidungsgeschäfte, Kunsthandwerksläden und Restaurants. Die Kleinstadt wurde auf den Trümmern des antiken Handelszentrums Zací der Maya errichtet. Das Zentrum der Stadt liegt um den Park Francisco Cantón Rosado, in dem sich auch die Kirche San Servacio befindet. Valladolid hat insgesamt sieben gut erhaltene Kirchen aus der Kolonialzeit und trägt deshalb auch den Spitznamen „Sultan des Ostens“. Wir haben direkt an der Kirche San Bernardino mit dem angrenzenden Kloster Convento de Sisal geparkt. Für uns der perfekte Ausgangspunkt um unseren Hunger in der Taberna de los Frailes mit yukatekischen Gerichten zu stillen und anschließend einen schönen Spaziergang durch die bunten Straßen zu unternehmen.

Ich finde Valladolid gilt absolut zu Recht als eine der schönsten Kolonialstädte Mexikos! Für mich auf jeden Fall die Schönste, die wir während unseres Aufenthaltes gesehen haben.

 

Ruinen von Tulum

An der Riviera Maya, direkt an der Karibikküste von Mexiko liegt die Ruinenstätte von Tulum. Dank der fantastischen Lage direkt am Meer wird die Ruine natürlich gerne besucht. Im Vergleich zu anderen Mayastätten ist die Anlage aber relativ überschaubar. Deshalb empfiehlt es sich, gleich morgens zwischen 8 und 9 Uhr zu kommen, dann ist es auch noch nicht so heiß. Wer dennoch eine Abkühlung braucht, kommt über eine lange Holztreppe direkt zum Meer hinunter, wo man bei Bedarf ein erfrischendes Bad im Meer nehmen kann.  
Mit Rollstuhl kann man das Gelände relativ gut befahren, auch wenn man nicht direkt an alle archäologischen Sehenswürdigkeiten kommt. Einige Bereiche und der Ausgang haben nämlich Treppen. Hat uns beim Betreten der Anlage leider niemand mitgeteilt, auch nicht, dass Rollstuhlfahrer aufgrund der Stufen die Anlage am besten über den Eingang wieder verlassen. Eine ganz reizende Besucherin hat uns aber schon beim Reingehen darauf hingewiesen und deshalb haben wir uns beim Verlassen der Anlage entgegen der Besucherströme entlang geschlängelt. Gegen 10 Uhr wurde es auch wirklich richtig voll, ich war froh, dass wir morgens mit die Ersten dort waren. Von dem Parkplatz erreicht man die Ruine nach einem 10-minütigen Spaziergang, über einen gepflasterten Weg vorbei an einer kleinen Einkaufsmeile. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann mit einem Touristenbähnchen direkt bis zum Eingang der archäologischen Zone fahren. In Mexiko waren übrigens alle Mayastätten für Rollstuhlfahrer kostenlos zugänglich. 
 

Uxmal

Mitten im Dschungel, circa 70 km von Merida entfernt, liegen die faszinierenden Pyramiden von Uxmal. Wir sind zwar erst am frühen Mittag auf dem Areal angekommen, dennoch waren relativ wenig Menschen auf dem Gelände unterwegs, vor allem im Vergleich zu Chichén Itza und Tulum. Das liegt vielleicht mitunter daran, dass Uxmal etwas weiter entfernt von den Touristenhochburgen liegt. Vor und im Eingangsbereich findet man nur wenige Souvenirstände, auf der archäologischen Zone zum Glück gar keine. Die Ruhe dort verleiht den alten Gemäuern eine ganz besondere mystische Stimmung. Zudem beherbergen die Ruinen eine große Anzahl von riesigen Leguanen, die sich auf den antiken Bühnen und Tempeln in der Sonne räkeln. Man findet sie auf dem ganzen Gelände, auch mal auf dem Weg direkt vor den Füßen.
Das beeindruckendste Gebäude für mich war die Ruine des Zauberers. Im Gegensatz zu Chichén Itza und Tulum ist es hier auch noch erlaubt die Stufen einzelner Tempel hoch zu kraxeln. Mit Lutzi hab ich mir das Spektakel aus sicherer Entfernung angeschaut, eine ganz schön steile und vor allem nicht ungefährliche Angelegenheit. Gerade beim Abstieg habe ich einige Knie schlottern sehen 🙂 Aber glücklicherweise auch niemanden stürzen, obwohl eine Pappnase den Aufstieg verrückterweise samt Krücken und Gipsbein gewagt hat. Wenn ich das richtig beobachtet habe, ist gutes Schuhwerk, abgesehen von der Pyramide, sowieso zu empfehlen. Auf dem Grundstück gibt es zwar überwiegend Rasenfläche, aber immer mal wieder steinige Zwischenstücke und die Steintreppen der Pyramiden und Paläste sind nicht immer ganz eben. Rollstuhlfahrer sollten sich auf dem Grundstück immer links halten, ein ausgeschilderter Pfad leitet einen zu dem weiter oben gelegenen Palast des Gouverneurs, dem Haus der Schildkröten und anderen Tempeln.
 
Ganz ohne Treppen, über einen steilen Hügel, gelangt man auch auf die große Aussichtsplattform, von der man echt einen atemberaubenden Blick auf den Dschungel und Uxmal hat. Diesen Anblick werde ich so schnell sicher nicht vergessen.
Anders als bei den meistens Maya-Stätten in Yucatán, mangelte es in Uxmal an einer natürlichen Wasserquelle, weshalb der Regengott Chaac von besonderer Bedeutung für die Einwohner dieser antiken Stadt war. Ein Chultún (Zisterne) in der Nähe des Eingangs zu den Ruinen von Uxmal versorgte den Ort mit Wasser.
Für mich definitiv die schönste Maya-Stätte auf unserer Mexiko-Reise.

 

Wer vor oder nach der Besichtigung etwas Hunger bekommt, dem kann ich das nah gelegene Ppapp Hol Chac de Uxaml empfehlen. Kurz nach unserer Ankunft in dem halboffenen Restaurant kam direkt eine Touristengruppe reingeschneit und wir befürchteten erst in einer Tourifalle gelandet zu sein. Aber das Essen hier war sehr lecker und preiswert noch dazu. Hier gibt es authentische bodenständige mexikanische Küche. Dazu eine quitschbunte Einrichtung und lustige Kellner, uns hat es gefallen. Genau so stelle ich mir “typisch mexikanisch” vor.

 

Unsere Ausflüge in die Vergangenheit habe ich allesamt genossen. Mexiko ist unglaublich reich an geschichtlich wichtigen Ereignissen, archäologischen Schätzen und reich an aufgeschlossenen und gastfreundlichen Menschen mit unterschiedlichsten Traditionen und Bräuchen, deren Leidenschaft und Lebensfreude man oft spüren durfte. Dazu kommen die unterschiedlichen Landschaften und Klimazonen, die von Region zu Region stark variieren. Die beeindruckenden Zeugnisse der Hochkulturen der Maya faszinieren jährlich unzählige Besucher des Landes. Auch mich haben sie in ihren Bann gezogen.

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4 Kommentare auf "Die faszinierenden Ruinenstätten der Maya – Chichén Itza, Uxmal und die Ruinen von Tulum im Vergleich"

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Zypresse
Gast

Wir waren 1999/2000 – also schon echt lange her – in Mexiko. Chichen Itza haben wir damals besucht, Valladolid, Merida, Tulum… Es hat uns überall gut gefallen. Und damals durfte man die Stufenpyramide “El Castillo” noch besteigen, ja sogar durch den Gang ins Innere der Pyramide. War ganz sicher nicht rollstuhlgeeignet, aber ein echtes Erlebnis.

Carolin
Gast

Das sind echt tolle Eindrücke und Bilder! War bestimmt eine tolle Reise. 🙂