Venedig mit Rollstuhl

Venedig mit Rollstuhl

Hey Venedig, unsere erste Begegnung vor über 12 Jahren war nichts. Zu nass, zu kalt und zu stürmisch, um die Wasserbusse mit dem Rollstuhl ohne Wackeln verlassen zu können. Wie zwei begossene Pudel standen wir in Venedig mit Rollstuhl vor einer Treppe nach der anderen, weil wir damals kein Internet für Google Maps hatten, um uns geeignete Routen rauszusuchen. Da in einem Jahrzehnt viel passieren kann, sind wir wieder da und ich darf es schon mal vorwegnehmen: es war die beste Entscheidung Venedig eine “zweite Chance” zu geben.

Anreise – Venedig mit Rollstuhl

Wir haben im Spätsommer eine kleine Reise durch Norditalien unternommen. Vom Lago Maggiore sind es nur 3 Autostunden bis nach Venedig. Wir haben im Tronchetto Parkhaus geparkt, für 22 € pro Tag. Der erste Tag ist für Rollstuhlfahrer sogar kostenlos, dafür müsst ihr aber an der Kasse euren SB-Behindertenausweis, Parkausweis und eure Fahrzeugzulassungs-Papiere vorzeigen. Eine nette Leserin meines Blogs war so lieb, mich darüber zu informieren, dass man an der Piazzale Roma als Rollstuhlfahrer auch kostenlos parken kann. Leider habe ich dazu im Internet keinerlei Informationen gefunden – vielleicht möchte es trotzdem jemand testen, dann bin ich sehr an eurer Erfahrung interessiert.

Vaporetto

Ab dem Parkhaus geht es dann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln weiter. In Venedig sind das Wasserbusse, genannt Vaporetti (Einzahl Vaporetto). Es ist zwar abhängig vom Wasserstand und der jeweiligen Station, dennoch klappt der Einstieg relativ unproblematisch und ist im besten Fall sogar ebenerdig. Ist der Höhenunterschied zu groß, liegen an jeder Station mobile Rampen griffbereit, die die Mitarbeiter für RollstuhlfahrerInnen auslegen. Eine Fahrt kostet pro Person 1,50 €. Fast jedes Viertel von Venedig hat eine (Wasser-) Busstation. Es gibt natürlich auch Wassertaxis und Gondeln, davon sind aber m.W. keine rollstuhlgerecht. Es gibt einen Transportdienst, der sich Gondolas4all schimpft, leider erhielt ich während unseres Aufenthaltes nur die Auskunft, dass er “not in service” sei.

Brücken

Mir wurde außerdem der Tipp gegeben, dass es an der Touristinformation an der Piazzale Roma eine Karte gibt, auf der rollstuhlgerechte Toiletten eingezeichnet sind und man einen Schlüssel ausleihen kann, mit der ein paar Brücken-Lifte bedient werden können. Aber ich möchte keine falschen Hoffnungen wecken, die meisten Brücken in Venedig haben ausschließlich Treppen. Es gibt wenige Ausnahmen von Brücken, die zusätzlich zu den Treppen noch über eine Rampe oder Lift verfügen.

Unterkunft – Venedig mit Rollstuhl 

Wir sind aus dem Vaporetto an der Haltestelle Mercato Rialto ausgestiegen. Mitten im Geschehen, unweit von der Rialto Brücke mit Wochenmarkt und jeder Menge Restaurants, in die auch gerne Venezianer gehen. Das Viertel mochte ich wirklich super gerne, wir konnten lange Strecken ohne Treppen gehen und natürlich auch unser Hotel direkt am Grand Canal erreichen. 

Unser Hotel, das Riva del Vin Boutique Hotel Venezia war schön, dennoch kann ich es – was die Barrierefreiheit betrifft – nur bedingt weiterempfehlen. Unser Zimmer war zwar als rollstuhlgerecht ausgewiesen, dies wurde aber nicht zu 100% umgesetzt. Am Hoteleingang gibt es eine Stufe, die man zwar mit Hilfe überwinden kann, aber der Weg zum Zimmer führt nur über einen sehr engen Aufzug (max. 64 cm Breite). Das Zimmer selbst ist auch recht eng, bietet wenig Wendemöglichkeiten, schwarze Wände und einen Mini-Absatz ins Bad, das vor dem Waschbecken auch kaum Platz für (m)einen Rollstuhl hatte. An der Toilette war links ein Haltegriff montiert und für die ebenerdige Dusche haben wir einen Plastikstuhl bekommen, ideal war es jedoch nicht.

Gerade im Zentrum von Venedig spielt Platzmangel natürlich eine große Rolle. Häuser und Gassen liegen sehr eng und nah beieinander. Bei meiner Recherche nach rollstuhlgerechten Zimmern in Venedig habe ich noch folgende mögliche Alternativen gefunden: H10 Palazzo Canova, Combo Venezia, Carnival Palace – Venice Collection

Markusplatz

Der bekannteste Platz in Venedig trägt den italienischen Namen Piazza San Marco. Er selbst ist sicher eine der meistgesehenen Sehenswürdigkeiten, um ihn herum tummeln sich noch weitere sehenswerte wie geschichtsträchtige Gebäude.  Wie z. Bsp. der Markusdom, der Dogenpalast oder der Uhrenturm = Torre dell’Orologio.  Bei einem Venedigbesuch sollte man hier unbedingt gewesen sein, aber auch abseits der Touristenströme (die im Spätsommer 2021 überschaubar waren) findet man in Venedig wunderschöne Straßen, Kanäle, Gassen und faszinierende Gebäude. Die ganze Stadt fühlt sich wie eine unendliche Filmkulisse an.

Antico Forno Venezia

Beste Pizza in Venedig oder überhaupt die leckerste Pizza, die wir je gegessen haben. Es ist nur ein kleiner Imbiss, direkt um die Ecke unseres Hotels gewesen. Man kann die Pizza vor Ort essen oder einfach mitnehmen und wie wir, ein nettes Plätzchen unter der Rialto Brücke (direkt neben Naranzia) suchen und beim Essen die vorbeifahrenden Boote bestaunen. 

I Compari Pulperia a Venezia

Wer so gerne Meeresfrüchte isst, wie Lorenz, darf hier gerne vorbeischauen. Die Pulperia macht ihrem Namen alle Ehre: der gekochte Pulpo ist fantastisch. Das klitzekleine Lokal bietet wechselnde Mittagsgerichte, hauptsächlich mit Meeresfrüchten, zwischen 9€ und 14€ an. Leider gibt es außen nur Hochtische, weshalb ich einfach einen Hocker als Tisch umfunktioniert habe. Die Pulperia ist direkt am Mercato Rialto und hat i.d.R. bis 16 Uhr geöffnet.

Hosteria Sant´Aponal

Kleines Restaurant mit schönen Außensitzplätzen und Blick auf die Chiesa Sant`Aponal. Auf der Karte stehen Meeresfrüchte und Pasta-Gerichte zwischen 12 und 18 €. Der Service war super freundlich, Preis-Leistung stimmt auch. Der Zugang zum Lokal und der Terrasse ist barrierefrei, aber die Toilette leider nicht rollstuhlgerecht.

Burano

Von der Haltestelle San Marco San Zaccaria fährt die Linie 14 an den Strand von Venedig (Lido) und nach Burano. Die Fahrt zu der Insel dauert ca. 50 Minuten. Dafür belohnt das frühere Fischerdorf dich mit unendlich vielen bunten Häusern und ordentlich Charme. Sobald man die Fähre verlässt, ist es noch ziemlich voll, aber je mehr man in das Inselinnere kommt, desto leerer werden die Gassen. Auch in Burano gibt es viele kleine Brücken, aber einige mit integrierten Rampen, sodass man mit Rollstuhl fast überall hinkommt. Lorenz war es zu touristisch, mir hat unser Ausflug in die bunte Welt richtig gut gefallen.

2 Kommentare

  1. Hallo Kim,
    ich werde im Sommer in der Nähe von Venedig Urlaub machen und wir werden sicherlich den ein oder anderen Tagesausflug in die Stadt unternehmen. Hast Du zufällig eine schöne Route für Rollstuhlfahrer durch die Stadt zur Hand? Oder einen Tipp, welche Brücken ich ansteuern kann?

    Den Tipp mit der Piazzale Roma habe ich schon mal notiert 😀

    Viele herzliche Grüße
    Frank

    • Kim Lumelius

      Hi Frank, das klingt toll. Also so eine Karte mit rollstuhlgerechten Routen gibt es wohl an der TouristInfo 🙂 Ich selbst habe sie nicht geholt, wir sind einfach in den einzelnen Vierteln (Mercato Rialto, San Marco Z. etc) aus dem Wasserbus ausgestiegen und so weit gelaufen, wie wir gekommen sind 🙂 Viele Brücken im Accademia Viertel hatten eine integrierte Rampe. Wünsche dir viel Spaß dort! Liebe Grüße Kim

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