Japan mit Rollstuhl bereisen – barrierefreie Unterkünfte

Japan mit Rollstuhl - barrierefreie Unterkünfte

Japan mit Rollstuhl zu bereisen klingt für viele vielleicht erst einmal herausfordernd, doch das Land überrascht mit einer beeindruckend gut ausgebauten Infrastruktur und einem hohen Maß an Serviceorientierung. Japan erstreckt sich über rund 378.000 Quadratkilometer und ist damit etwas größer als Deutschland. Rund 125 Millionen Einwohner leben in dem Land, das aus tausenden Inseln besteht und jahrhundertealte Traditionen mit modernster Technologie verbindet. Besonders in Großstädten wie Tokio, Kyoto oder Osaka sind Bahnhöfe, Busse und öffentliche Einrichtungen häufig mit Aufzügen, Rampen und taktilen Bodenmarkierungen ausgestattet. Auch viele Tempel und Museen bieten inzwischen barrierefreie Zugänge. Diese Mischung aus faszinierender Kultur und zunehmender Barrierefreiheit macht Japan für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer zu einem spannenden und gut machbaren Reiseziel.

In diesem Beitrag widmen wir uns den barrierefreien Unterkünften und den rollstuhlgerechten Zimmern, die in Japan häufig universal rooms genannt werden. Universal Rooms sind in der Regel größer als Standardzimmer und bieten mehr Bewegungsfläche für Rollstühle. Türen sind breiter, es gibt meist schwellenlose Zugänge und Haltegriffe im Bad. Universal Rooms müssen häufig direkt beim Hotel angefragt werden, da sie nicht immer in Online-Buchungssystemen separat auswählbar sind. Frühzeitige Reservierung lohnt sich, weil es pro Hotel oft nur wenige (meiner Erfahrung nach 1-3) dieser Zimmer gibt.

Ich gebe euch einen Einblick in die rollstuhlgerechten Zimmer, in denen wir übernachtet haben und teile mögliche barrierefreie alternative Unterkünfte, die bei unserer Recherche für eine Reise nach Japan mit Rollstuhl ebenfalls gepunktet haben.

Tokio – Other Space Asakusa

Das OTHER SPACE Asakusa liegt ideal mitten im historischen Herzen von Asakusa, nur wenige Schritte vom Sensō-ji Tempel (Asakusa Schrein) und der Nakamise-Straße entfernt – praktisch, wenn man viel zu Fuß oder mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Wir übernachteten in einem der Accessible Rooms des Hotels. Das Zimmer war wirklich nicht riesig, wie so oft  in Tokio, aber es bietet gerade so genug Bewegungsfreiheit, um mit einem Rollstuhl gut zurechtzukommen. Türen und Wege sind breit genug, damit man nicht ständig rangieren muss. Das Bad war ausgestattet mit Haltegriffen und einer bodengleichen Dusche, die sich rollstuhlgerecht nutzen ließ. Sie hatte einen handgehaltenen und höhenverstellbaren Duschkopf, was den Komfort deutlich erhöht. Der Seiteneingang, der durch das hoteleigene Café führt, ist ebenerdig, am Haupteingang gibt es einen kleinen Absatz. Im Hotel gibt es zwei Aufzüge, die dich auf alle Etagen bringen, nur zur Dachterrasse muss man leider zwei extra Stufen überwinden.

Mögliche Alternativen in Tokio : 

KOKO HOTEL Premier Nihonbashi Hamacho (Deluxe Universal Twin Room), One@Tokyo (universal room), Hotel The Celestine Tokyo Shiba (1 accessible room), Hotel Niwa Tokyo (1 universal room), Mitsui Garden Hotel Otemachi – Tokyo (1 rollstuhlgerechtes Zimmer), sequence MIYASHITA PARK – Shibuya (1 universal room), Keio Plaza Hotel Tokyo (15! universal rooms, zwei Kategorien), Bespoke Hotel Shinjuku (universal room), Miyako City Tokyo Takanawa (1x universal room, siehe Bilder)

Kyoto – Sequence Kyoto Gojo

Sequence ist eine in Japan ansässige Hotelkette mit modernen 4-Sterne-Hotels. In Kyoto haben wir uns für das sehr zentral gelegene Sequence Kyoto Gojo im Shimogyo-Bezirk entschieden.Fußläufig erreicht man hier mehrere Bus- und U-Bahn-Haltestellen, viele Restaurants, sowie das Stadtzentrum. Es gibt einen Accessible Room mit Universal Bathroom, das statt einer Dusche allerdings mit einer Badewanne inkl. Sitz ausgestattet war. Auch hier war das Bett nur von einer Seite anfahrbar, es stand uns aber wesentlich mehr Bewegungs- und Ablagefläche zur Verfügung, was sehr angenehm war. Der Zugang zum Gebäude und zu allen wichtigen Bereichen ist stufenfrei, zudem gibt es zwei Aufzüge. Ein Restaurant, eine Bar, in der abends ein DJ auflegt sowie ein warmes Gästebad mit angrenzender Sauna (getrennt nach Geschlechtern) gehört hier zur Ausstattung.

Mögliche Alternativen in Kyoto: 

Hotel Granvia Kyoto (6x universal rooms), Mitsui Garden Hotel Kyoto Shijo, OMO5 Kyoto Sanjo by Hoshino Resorts (mega schöner, großer Universal Twin room), DoubleTree by Hilton Kyoto Station (Bild 45), Hilton Garden Inn Kyoto Shijo Karasuma (bild 7 barrierefrei), Hotel Vischio Kyote (1 universal room), Moxy Kyoto, ASAI Kyoto Shijo (mega schön, 2 accessible rooms), Hotel RINGS KYOTO (“Twin Room – Disability Access”)

Osaka – Hotel Zentis Osaka

Vom Design und der Einrichtung auf jeden Fall mein Lieblingshotel: das Zentis in Osaka. Es liegt im Stadtteil Kita, auch als Umeda bekannt, unweit vom Bahnhof (Osaka-Umeda Station) entfernt, wo wir mit dem Zug aus Kyoto anreisen. Das “accessible Zimmer” mit Queensize-Bett und ebenerdiger Dusche ist mit bodentiefen Fenstern und einer kleinen Küchenzeile ausgestattet. Allerdings ist es von der Bewegungsfläche, vor allen Dingen dem Platz im Bad, das kleinste Zimmer auf unserer Japanreise.

Im Erdgeschoss gibt es einen gemütlichen Aufenthaltsbereich mit Terrasse, im 1. Obergeschoss befinden sich das Restaurant, in dem morgens das Frühstück (kann man separat dazu buchen) stattfindet, sowie eine Bar. Unser Weg ging morgens, wie immer, erst zum Convenience Store, der sich wie zahlreiche Restaurants in dem Viertel in unmittelbarer Nähe befand. Bevor wir in den Tag gestartet sind, hat uns ein Kaffee und Snack gereicht, die in den Konbinis einfach unschlagbar günstig, frisch und lecker waren.

Mögliche Alternativen in Osaka: 

The Lively Osaka Honmachi, LIBER HOTEL Osaka, Hotel Noum Osaka (norm. Zimmer eine Stufe, barrierefreies Zimmer single room), Grand Prince Hotel Osaka Bay (2 universal rooms), Courtyard Shin-Osaka Station Hotel (3 accessible rooms  ‘courtyard’ category)

Okinawa – The Orion Hotel Motobu Resort & Spa

Als Kontrast zu dem städtischen Trubel auf unserer kleinen Rundreise durch die Metropolen von Japan, haben wir uns zum krönenden Abschluss das tropische Paradies im Süden ausgesucht. Die Inseln des Okinawa-Präfektur Gebiets sind berühmt für ihre Sandstrände und blaue Lagunen, perfekt um sich etwas zu entspannen und die Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten. Von den über 160 Inseln sind etwa ein Dutzend aktiv touristisch erschlossen. Wir haben uns als Basis für die Hauptinsel Okinawa Hontō entschieden, die neben der wunderschönen Landschaft auch als Zentrum von Kultur und Geschichte der Region gilt.

Bei der Hotelsuche habe ich mir etwas schwer getan. Am liebsten sind mir kleine, individuelle Hotels, die auf Okinawa aber rar gesät sind, zumindest was das zusätzliche Ausstattungsmerkmal der Barrierefreiheit betrifft. Viele große Hotelketten bieten ein gewisses Kontingent an rollstuhlgerechten Zimmern. 

Wir haben uns schließlich für das The Orion Hotel Motobu Resort & Spa entschieden. Die Pluspunkte sind definitiv die Lage und dazu riesige Zimmer mit Meerblick. Alle öffentlichen Bereiche lassen sich einfach mit Rollstuhl erreichen, der Pool und die Anlage sind top gepflegt. Es gibt trotz der vielen Zimmer nur einen universal room im Haus, das bei unserer Buchung schon belegt war. Darum haben wir ein Standardzimmer genommen, das auch kaum Barrieren aufweist. Für die ebenerdige Dusche haben wir einen Duschstuhl bekommen, Haltegriffe an der Toilette gehören jedoch nur im universal room zur Ausstattung. Für uns persönlich war das Hotel zu groß und der Service zu kühl und unpersönlich, ansonsten war alles in Ordnung.

Mögliche Alternativen auf Okinawa:

THIRD ishigakijima, Halekulani Okinawa (Premier ocean front twin), Oriental Hotel Okinawa Resort & Spa, The Atta Terrace Club Towers, The Naha Terrace, Glamday Style Okinawa Yomitan Hotel & Resort

Fazit – Japan mit Rollstuhl

In meinem ersten Beitrag zu Japan mit Rollstuhl, wollte ich euch zunächst die barrierefreien Unterkünfte und mögliche Alternativen mit rollstuhlgerechten Zimmern vorstellen. Ich möchte dazu sagen, dass wir zu der beliebtesten Reisezeit des Jahres, nämlich zur Kirschblüte, gereist sind. Davon unabhängig empfehle ich euch trotzdem, universal rooms so früh wie möglich zu buchen, weil das Kontingent einfach begrenzt ist. Die nächsten Beiträge zu den einzelnen Städten unserer Rundreise, deren Sehenswürdigkeiten und interessanten Fakten zur Barrierefreiheit sind schon in Arbeit und werden bald veröffentlicht.

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